Zu viel um die Ohren? Vielleicht ist unter diesen fünf einfachen Tipps zum Stressabbau etwas dabei, das dir zusagt. Erfahre hier, was helfen kann, um wieder in einen Zustand der relativen Ausgeglichenheit zu gelangen, so dass in der Folge weiterführende Entspannungstechniken besser greifen können.
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„Wenn der Mensch zur Ruhe gekommen ist, dann wirkt er.“ (Francesco Petrarca)
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Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich im Grünen. Es ist ein lauer Sommertag und ein leises Lüftchen geht. Ich befinde mich, so könnte man sagen, gerade in einer absolut stressfreien Zone. Für meine Kreativität ein Glücksfall; nicht immer kann man unter solch angenehmen Bedingungen schreiben, leben, arbeiten. Dankbarkeit macht sich breit. Solche Gegebenheiten waren rar in den letzten Monaten. Allzu oft überwog die Geschäftigkeit und in der freien Zeit war ich zu müde, um mir in ausreichendem Maße Gutes zu tun.
Apropos sich etwas Gutes tun – ich erinnere mich an eine Situation aus meiner Ausbildung zur Entspannungstherapeutin: Die Teilnehmer standen im Rund und vertrieben sich die Pausenzeit mit Smalltalk. Eine Dame war im Begriff, von einem eigentlich sehr unspektakulären Ereignis zu berichten (der Kontext sei hier einmal vernachlässigt) und setzte an, zu erzählen: „Tja, so etwas passiert mir auch hin und wieder. Zum Beispiel letztens. Da saß ich auf dem Sofa, meine Füße steckten gerade seit zwei Sekunden in einem Rosenbad, als es an der Tür klingelte…“
Sie wurde durch eine andere Kursteilnehmerin jäh unterbrochen: „Siehst du!“, rief sie laut aus, „genau das ist es! Genau das macht den Unterschied! Man muss es einfach nur tun!“ In ihrem Blick lag so etwas wie Sehnsucht.
Was sie meinte, war das Rosenbad. Ein Akt der Selbstfürsorge, eine Unterbrechung des rein funktionalen Daseins, eine Tat ohne Erwartung eines für andere sichtbaren Ergebnisses. Einfach so, inmitten – oder vielmehr trotz – des Alltags.
Wieder zu sich selbst finden
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es fast wie ein inner-revolutionärer Akt anmuten kann, wenn man nach langer Zeit der übermäßigen Geschäftigkeit zum ersten Mal wieder etwas für sich selbst tut. Seltsam, fast fremd, fühlt es sich dann an, wieder Zeit auf die eigene Person zu verwenden und nicht auf die äußere Welt. Es ist eine leise, zaghafte Annäherung an das ewige Sehnen, welches tief in uns wohnt. Das Sehnen nach Wohlgefühl, Heilung, Ganzwerden, Angenommensein. Nach der Abwesenheit von Stress.
Wenn ich mich lange nicht in ausreichender Form um mich selbst gekümmert habe oder kümmern konnte, dann ist es mir oftmals nicht möglich, sofort wieder mit langen Meditationen oder Dergleichem zu beginnen. Da muss was Leichteres, Einfacheres her. Eine seichte Entspannungsmethode für den Wiedereintritt in ein stressreduziertes Leben quasi.
Doch…wie kann so etwas aussehen, welche Methode eignet sich, wenn es darum geht, überhaupt erst einmal wieder in eine gelassenere Grundhaltung zu finden? Die folgenden Punkte haben sich für mich und viele andere als sehr hilfreich erwiesen:
• Natur-Erfahrungen
Es kann wahre Wunder wirken, sich nach stressigen Zeiten auf einen einfachen Spaziergang in die Natur zu begeben – am besten alleine, ohne Partner oder Freunde, denn auf diese Weise ist viel mehr „Wahrnehmungskapazität“ vorhanden: Wir können uns ganz der Natur widmen und uns als einen Teil von ihr erleben.
Sehr gut für die ganz persönliche Natur-Zeit eignen sich Waldgebiete oder auch, falls möglich, das Meer bzw. ein Seeufer.
Naturgenuss und -wirkung 2.0 sozusagen entstehen übrigens, wenn man sich dazu entschließt, nicht nur umherzugehen, sondern sich an einen geeigneten Ort zu setzen (oder falls dies nicht möglich ist, hier und da für einen Augenblick stehenzubleiben) und seine Sinne zu trainieren:
- Was höre ich?
- Was sehe ich?
- Was rieche ich?
- Was spüre ich?
All das unterstützt das Verweilen im gegenwärtigen Moment, das Aufmerksamsein. Und es lässt Alltagsgedanken und -sorgen für eine Weile verstummen.
Ich empfehle übrigens, in der warmen Jahreszeit und auf geeignetem Untergrund (z.B. auf Wiesen, im Garten, im Sand, etc.), barfuss zu laufen. Das trainiert die Fußmuskulatur und schafft eine direkte Verbindung mit Mutter Erde, die reich an Elektronen ist. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese vom Körper aufgenommen werden können und dort antioxidativ wirken.1 Auch das Schwimmen in natürlichen Gewässern (also in Seen oder im Meer) hat einen ähnlichen Effekt.
• Entspannungsmusik
Ruhige, meditative Klänge können dabei helfen, sich selbst wieder in die Ruhe zu führen. Meine Erfahrung ist: Je minimalistischer desto besser. In Zeiten von Streamingplattformen steht einem dafür eine schier unvorstellbar große Auswahl an Künstlern, Playlists und Klängen zur Verfügung. Nutzen wir doch einfach dieses Geschenk!
„Ich habe schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass sich emotionale Blockaden mit sanfter, meditativer Musik besonders gut lösen lassen. Auf einmal durften Tränen fließen, wo zuvor Grübelei vorherrschte und es stellte sich eine relative Klarheit ein, die es mir leichter machte, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen. Die Musik wirkte sozusagen wie ein Katalysator und schenkte mir mit ihrer Sanftheit eine tiefe Zuversicht für die darauffolgenden Stunden / Tage. Selten habe ich dies derart intensiv bei anderen, rhythmischeren Musikstücken feststellen können.“2
Mich macht schöne Entspannungsmusik übrigens immer superkreativ, deshalb höre ich sie auch gerne, wenn ich am Schreiben/Arbeiten bin. Das Fokussieren fällt mir leichter und ich gelange schnell in eine entspanntere Grundhaltung. So geht es vielen anderen Menschen auch. Hast du schon einmal ausprobiert, Meditationsmusik o.ä. im Hintergrund laufen zu lassen, während du arbeitest?
• Routinen
Auch Routinen können ihren Beitrag dazu leisten, wieder in die eigene Mitte zu kommen. Sie beruhigen den Geist, weil sie ein zumindest temporäres Gefühl von innerer Sicherheit schenken und somit weniger Energie verbraucht wird. Die Botschaft, die man damit an sich selbst richtet, ist: „Da ist etwas, das ich unter Kontrolle habe“. Selbst Tiere etablieren, wann immer es möglich ist, Routinen, um Energie zu sparen.
Ich halte nicht sehr viel davon, Routinen übermäßig stark zu verfolgen oder auszuleben, aber für Zeiten großer Unruhe – oder eben auch für die Zeit danach – können wiederkehrende, gleichartig gestaltete Abläufe sehr beruhigend wirken. Wem es also hilft, der kann zum Beispiel für eine kurze Zeit
- feste Uhrzeiten für sich täglich wiederholende Tätigkeiten wählen oder
- eine bestimmte Art/Reihenfolge festlegen, wie Dinge getan werden.
Das mag generell erst einmal komisch anmuten, aber vielen hilft es tatsächlich sehr.
• Fantasiereisen / Traumreisen
Wenn es nicht gelingt, in die Meditation zu gehen, man aber trotzdem der Ruhemeditation ähnliche Zustände erreichen und für sich nutzen möchte, können Fantasiereisen (auch Traumreisen genannt) eine gute Wahl sein. Dies sind kleine, geführte „Ausflüge in die Imagination“, die meist mit geschlossenen Augen genossen werden und angenehme Bilder und Gedanken hervorrufen, die wiederum zur Entspannung beitragen.
Noch ist meine Webseite recht frisch, aber ich werde in Zukunft kostenfreie Fantasiereisen zur Verfügung stellen, also…stay tuned! 🙂
• Gezielt die Sinne anregen, z.B. mit Düften
Ein oft unterschätztes Tool ist die Anregung des Riechsinnes. Naturreine ätherische Öle und hochwertige Räucherstäbchen (ich empfehle hier die japanischen oder tibetischen ohne Holzstab) können, je nach Inhaltsstoff und persönlicher Vorliebe, eine wunderbare Unterstützung auf dem Weg zu innerer Ruhe sein.
Ein Tipp: Mache zum Beispiel das Anzünden eines Räucherstäbchens vor Entspannungsmomenten (Meditation, etc.) zur Routine. Der Geist verknüpft den entsprechenden Duft recht schnell mit der Erinnerung an die darauf folgenden Ruhezustände. So gelingt es in schwierigen Zeiten leichter, in die Entspannung zu gelangen.
Fazit
Generell kann man festhalten, dass das sanfte Anregen der Sinne eine gute Methode ist, um nach sehr geschäftigen Zeiten wieder in ruhigere Gemütszustände zu gelangen. In der Natur werden gleich mehrere Sinne angeregt, deshalb – und aus vielen weiteren Gründen – halte ich einen Gang in die Natur für unübertroffen wertvoll, aber auch das Anregen eines konkreten Sinnes wie bei Düften, Klängen oder auch Farben, kann helfen.
Ich weiß…Entspannung braucht freie Zeit, braucht Kapazitäten. Gerade wenn es stressig zugeht, hat man diese nicht immer. Das stellt in der Tat ein großes Problem dar.
Dazu kommt mir in den Sinn, was ich gestern in einem Podcast hörte. Eugen Drewermann (Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller) sagte sinngemäß: Erholungszeiten fordern selten von alleine ihr Recht und ihren Raum. Vielmehr muss der Freiraum für Entspannung immer wieder verteidigt werden gegen die To Do’s, gegen all das Müssen und Sollen im geschäftigen Alltag.
Das Folgende klingt schrecklich profan und wird so oft verwendet, dass schon kaum jemand mehr hinhört, und doch erweist sich dieser simple Spruch als unglaublich weise 😉 :
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
♥, Meike

