Schlagwort: Achtsamkeit

Hier findest du eine Reihe von Artikeln zum Thema Achtsamkeit. Viel Spaß beim Stöbern!

  • Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Waldbaden ist nicht nur eine beliebte Freizeitaktivität, sondern sogar anerkannter Therapieansatz. Lasst uns herausfinden, was diese Aktivität so besonders macht und was sie vom klassischen Wandern oder Spazierengehen unterscheidet.

    Die Ursprünge des Waldbadens

    Das „Waldbaden“, auch bekannt als „Shinrin-Yoku“, stammt aus Japan und ist eine Praxis, die darauf abzielt, die positiven physischen und psychischen Effekte des Aufenthalts im Wald zu nutzen.

    Die Definition des Waldbadens entwickelte sich in den 1980er-Jahren. Heute ist der Begriff weltweit anerkannt; die Methode wird seit vielen Jahren als natürliche Therapieform zur Stressbewältigung, Förderung der Gesundheit und Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt. Grund genug, sich diesen Trend einmal genauer anzusehen. 

    Naturzeit im Wald

    Der Unterschied zu anderen Natur-Aktivitäten 

    Waldbaden unterscheidet sich von einem einfachen Spaziergang bzw. Aufenthalt im Wald durch seine Langsamkeit und seinen betont achtsamen Ansatz. Es gibt keine festgelegte Route; man könnte sagen, das Ziel ist das Da-Sein selbst.  

    Auch zu Aktivitäten wie zum Beispiel dem Bushcraften gibt es beim Waldbaden einen Unterschied: Jemand, der Survival, Bushcraft und ursprüngliche (Über-)Lebensmethoden in der Natur praktiziert, verbringt ebenfalls sehr viel Zeit in der Natur und vor allem mit Naturmaterialien – was, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch unglaublich schön und erdend sein kann.

    Beim Waldbaden hingegen geht es weniger ums Tun, sondern vielmehr ums Wahrnehmen. Wir sind nicht mit Dingen, Materialien oder dem physischen Erschaffen von etwas beschäftigt, sondern mit spüren, lauschen, fühlen.

    Bäume emittieren flüchtige organische Verbindungen, darunter sog. Phytonzide. Diese besitzen nachweislich antimikrobielle Eigenschaften, insbesondere antibakterielle und teilweise antivirale Effekte1.

    Dr. Quing Li, einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Waldbaden, hat Studien durchgeführt, die zeigen, dass das Einatmen der Phytonzide die Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) im Immunsystem steigern und so die Abwehrkräfte stärken kann.2

    Alleine oder in der Gruppe?

    Inzwischen wird relativ häufig auch geführtes Waldbaden angeboten. Diese Kurse und Veranstaltungen sind hilfreich, wenn man einen Anreiz oder Anstoß braucht, um ins Tun zu kommen, oder wenn man weiß, dass man alleine ohnehin nicht losgehen würde und Gemeinschaft sehr schätzt.

    Waldsee

    Allerdings, und das finde ich ganz wichtig zu betonen, funktioniert Waldbaden auch sehr gut ohne Anleitung. Es ist etwas, das nicht erlernt, sondern vielleicht einfach erinnert werden muss. Denn im Grunde genommen spüren wir alle, dass ein Aufenthalt in der Natur Körper und Seele guttut. Je ruhiger wir innerlich werden, desto leichter fällt es uns auch, den Aufenthalt im Wald mit all unseren Sinnen zu genießen, Abstand zu nehmen von der Eile und einfach Kraft zu tanken. 

    Wenn du das Waldbaden versuchen möchtest, dann entscheide selbst, ob es dir leichter fallen würde, eines der entsprechenden Angebote anzunehmen oder ob du jemand bist, der sich auch alleine aufmachen würde, um von einem Aufenthalt im Wald zu profitieren. Lohnend ist es in beiden Fällen. 

    Nimmst du eines der Angebote in Anspruch, hast du natürlich den Vorteil, dass du Hintergrundinfos und Tipps bekommst, von denen du sonst nicht gewusst hättest. Wissenschaftliche Erkenntnisse3 zum Beispiel, oder auch einfach eine Antwort auf grundlegende Fragen, die als Neuling vielleicht auftauchen (“Wie kann ich den Wald wirklich wahrnehmen, wie fange ich an und was kann ich tun, um bestmöglich von meiner Zeit in der Natur zu profitieren?”).  

    Tipps für den Anfang

    Im Folgenden findest du einige grundlegende Tipps für deinen Start ins Waldbaden: 

    • Langsames Gehen: Bewegen dich bewusst und ohne Eile durch den Wald. 
    • Die Sinne aktivieren: Achte zum Beispiel auf die Geräusche der Blätter, den Duft der Erde und die Farben der Umgebung. 
    • Bewusst atmen: Nehme die frische Luft bewusst wahr und atme langsam und gleichmäßig. 
    • Interaktion mit der Natur: Berühre Baumrinden, beobachte Pflanzen oder setze dich einfach auf den Waldboden oder einen Baumstumpf. 
    • Digitale Entgiftung: Lasse am besten elektronische Geräte zu Hause oder schalte sie aus, um Ablenkungen zu vermeiden. 
    • Barfußlaufen: Das direkte Spüren des Bodens fördert die Erdung und steigert das sensorische Erlebnis. 
    • Meditation im Wald: Das Kombinieren von Meditation mit einem Aufenthalt im Wald kann die positiven Effekte beider Methoden verstärken. 
    Der Klang des Waldes - leiserleben.de

    Die Natur neu erleben

    Waldbaden ist eine kraftvolle Methode, um Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Es ist eine Einladung, die Natur auf eine neue, tiefere Weise zu erleben und die Verbindung zwischen Mensch und Umwelt zu stärken. In einer Welt, die oft von Hektik und digitalen Ablenkungen geprägt ist, bietet die ganz persönliche Naturzeit im Wald eine wunderbare Gelegenheit, seinen Alltag zu entschleunigen (Entschleunigung fühlbar zu machen) und das persönliche Wohlbefinden zu steigern. 

    Wandern – ganz anders und doch ähnlich

    Beim Wandern und auch beim klassischen Spazierengehen kann man von vielen der Vorteile profitieren, die auch das Waldbaden bietet – und gleichwohl schenken diese Aktivitäten einen anderen, ganz eigenen Erlebnis- und Erkenntnisraum. 

    Wenn man wandert, ist man körperlich immer in Bewegung, ganz im Gegensatz zum Waldbaden. Das bietet einerseits weniger Raum zum Spüren, Hinhören, Fühlen; andererseits schenkt es die Möglichkeit, in eine besondere Art von Gewahrsein zu gelangen.

    Meine Erfahrung ist, dass erst nach dem Zurücklegen von ca. acht bis zehn Kilometern wirklich erfahrbar wird, was das Wandern, das Gehen, bewirken kann. Während der ersten paar Kilometer ist der Kopf häufig noch voller Gedanken und die Aufmerksamkeit mal hier, mal dort. 

    Doch je mehr Strecke man zurückgelegt hat, desto ruhiger wird der Geist, desto mechanischer die Schritte, und schließlich macht sich eine besondere Art von Klarheit bemerkbar. Ich möchte es beschreiben als eine Stille, die beobachtet, während man in Bewegung ist. Fast so, als würde man sich gehend in Meditation befinden. Viele Trekking-Erfahrene beschreiben diesen Zustand als „Flow“.

    Natur erleben

    Für mich ist das Wandern daher eine Aktivität, die ich gerne alleine vollziehe, denn so scheint mir diese Erfahrung am intensivsten und schönsten. Gemeinsam Wandern kann auch angenehm sein, und auch das tue ich hin und wieder, doch wenn ich mich alleine aufmache, ist das Erleben tiefer, die Stille hörbarer, der Geist weniger abgelenkt.  

    Falls du Lust am Wandern verspürst, jedoch nicht alleine losgehen möchtest und keiner deiner Bekannten dein Hobby teilt, kann ich dir Wandervereine empfehlen. Der Deutsche Volkssportverband e.V. (DVV) hat zum Beispiel ein großes Angebot für regionale Wandertage, geführte Wanderungen usw. – dort wirst du bestimmt fündig.  

    Die Natur wirkt immer heilsam

    Ob nun Waldbaden, Wandern oder ein einfacher Spaziergang – es kommt immer ein bisschen darauf an, mit welcher Intention man an die jeweilige Betätigung herangeht, welcher Typ man ist und welchen Nutzen man vorrangig aus den Aktivitäten ziehen möchte.

    Und allzu oft lassen sich diese Aktivitäten auch gar nicht voneinander trennen. Irgendwie ja auch nachvollziehbar, denn schließlich ist der große gemeinsame Nenner das Naturerleben, das Sein inmitten von Grün, Leben, Ursprung und Frische. Und das wirkt immer heilsam, ganz egal in welcher Form. 🙂


    1. https://en.wikipedia.org/wiki/Phytoncide
      https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32906736
      ↩︎
    2. https://link.springer.com/article/10.1007/s12199-008-0068-3
      ↩︎
    3. https://dec.ny.gov/nature/forests-trees/immerse-yourself-for-better-health ↩︎

    Bildquellen: Kurt Bouda auf Pixabay, Harmony Lawrence auf Pixabay, Pexels auf Pixabay, Andreas Hoja auf Pixabay

  • Slow Food: Achtsames Essen

    Slow Food: Achtsames Essen

    Lies zu diesem Thema auch den Blogartikel „Slow Food: Das Kochen zelebrieren“

    Achtsames Essen fördert Zufriedenheit, Wertschätzung und innere Ruhe. Lasst uns einen Blick darauf werfen, wie wir den Akt der Nahrungsaufnahme bewusster und liebevoller gestalten können.

    Der Stress moderner Lebensstile führt dazu, dass wir unsere Beziehung zur Nahrung immer mehr verlieren. Gerichte bewusst zuzubereiten und aufzunehmen hilft, diese Verbindung wiederherzustellen und den Moment des Essens als ganzheitliches, vielleicht sogar sinnliches Erlebnis zu erfahren. 

    Achtsames Essen braucht Zeit

    Es mag nicht immer einfach und an vielen Tagen gar unmöglich sein, seine Nahrung ganz bewusst und ohne Hektik zuzubereiten. Denn wie ich schon im Artikel zum Thema Slow-Food-Kochen anmerkte: Wer hat schon Muße, nach einem langen Arbeitstag noch zwei Stunden in der Küche zu stehen?  

    Hier zeigt sich vielleicht auch recht deutlich, dass Slow Living ein ganzheitliches Konzept ist und einige Punkte erst dann in die Umsetzung gelangen können, wenn andere Bereiche des Lebens angeschaut und bearbeitet wurden. Vielleicht müssen wir uns erst einmal grundsätzliche Gedanken darüber gemacht haben, wie wir unsere Zeit bisher verbracht haben und wie wir sie im Sinne eines langsameren, achtsameren, reduzierten Lebens besser gestalten können, um in der Folge mehr Raum für gesunde Nahrung und eine gesunde Zubereitung zur Verfügung zu haben. Unterstützung bieten dir hier hoffentlich einige Aspekte aus den anderen Blogartikeln auf Leiser Leben.  

    Generell gilt: Wie auch immer die Zubereitung sich gestaltet – zumindest für den Akt der Nahrungsaufnahme, das Essen selbst, sollten wir uns, wann immer es irgend möglich ist, ausreichend Zeit nehmen. 

    Ein Experiment: Essen in Stille

    Allzu oft nehmen wir unsere Mahlzeit vor einem Bildschirm ein oder üben uns während des Essens gemeinsam mit anderen in Smalltalk. Das mag schön und einfach sein – und es hat sicherlich auch seinen Platz und seine Berechtigung. Wollen wir jedoch ein Wagnis eingehen und uns trauen, etwas Neues zu probieren, können wir zum Beispiel einmal schauen, wie es sich anfühlt, in Stille zu essen. 

    Alleine oder gemeinsam – macht einfach mal das Experiment, eure Nahrung in möglichst lautloser Atmosphäre und in Schweigen einzunehmen. Es muss ja nicht gleich zur täglichen Routine werden, aber traut euch einfach mal, diesen Versuch einzugehen und schaut, was in euch dabei vorgeht und vor allem, ob und inwiefern sich der Akt der Nahrungsaufnahme anders anfühlt. 

    in Stille essen

    Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass es durchaus einiges an Überwindung kosten kann, während des Essens in Stille zu verweilen, wobei ich mich nicht genau entscheiden kann, wann es schwieriger ist – wenn man alleine isst oder zu mehreren.

    Stille kann herausfordernd sein. Der Geist hat dann keine Ablenkung, und je untrainierter er ist, desto weniger gerne mag er solche Momente. 

    Allerdings ist es unbestreitbar so, dass das Essen sehr viel mehr wahrgenommen und genossen (geschmeckt, gefühlt, gesehen) werden kann, wenn man in Schweigen isst. In Klöstern wird dies übrigens häufig so praktiziert. 

    Ist euch die Praxis des In-Stille-Essens zu experimentell, mag es vielleicht lohnend erscheinen, während der Mahlzeiten zumindest Themen zu vermeiden, die allzu ernst sind und das Stresssystem aktivieren.  

    Die Sinne mit einbeziehen

    Achtsames Essen – das kann auch bedeuten, ganz bewusst alle Sinne einzubeziehen: den Duft der Speisen wahrzunehmen, die Texturen auf der Zunge zu spüren und die Farben der Zutaten zu bemerken. Diese Praktik hilft, die Beziehung zur Nahrung zu vertiefen. 

    achtsam essen - die Sinne trainieren

    Da ich leidenschaftlicher Teetrinker bin, weiß ich, dass man sich darin schulen kann, seine Sinne gezielt einzusetzen, so dass man mit der Zeit immer besser darin wird, verschiedene Geschmacksnuancen klar herauszufiltern. Das kann sogar richtig Freude machen! Genau so, als würde man einen guten Wein verkosten… 🙂

    Fürsorge und Dankbarkeit

    Nahrung ist übrigens oft mit Erinnerungen und Emotionen verbunden. Achtsames Essen schafft Raum, diese Verbindungen zu würdigen und das Essen nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Akt der Fürsorge für sich selbst und andere zu betrachten. 

    Auch mit dem (gemeinsamen) Essen verbundene Rituale sind eine schöne Möglichkeit, das Bewusstsein für das zu schärfen, was man gerade tut, und vielleicht sogar mehr Dankbarkeit über das Vorhandensein der Nahrung an sich zum Entstehen zu bringen. Das Entzünden einer Kerze oder ein kurzes Innehalten vor der Nahrungsaufnahme seien hier als inspiratives Beispiel genannt. Vielleicht fallen euch ja noch andere schöne Dinge ein.  

    Ein buddhistisches Tischgebet

    Ich persönlich habe eine Affinität zum Buddhismus, und so empfinde ich zum Beispiel das Tischgebet, das mich der buddhistische Mönch Shi Miao Dao1 gelehrt hat, als große Bereicherung und Stütze, um innezuhalten, im gegenwärtigen Moment anzukommen und mich vor und während des Essens auf meine Grundsätze zu besinnen. Hier findest du das Tischgebet einmal auf Deutsch übersetzt (wir rezitieren es in der Regel auf Pali): 

    “In weiser Betrachtung will ich diese Speise zu mir nehmen, 
    nicht zum Spaß,  
    nicht wegen des guten Geschmacks, 
    nicht um dick zu werden,2
    nicht zur Verschönerung meines Körpers, 
    sondern einzig, um diesen Körper lebensfähig zu halten, 
    ohne dabei neue Begierden entstehen zu lassen oder mich zu überessen, 
    Auf diese Weise erhalte ich mich in tadelloser Weise und lebe ohne Not.” 3

    Diese Rezitation, die der Buddha vor zweieinhalbtausend Jahren bereits seinen Mönchen empfohlen hat, spricht sicherlich nicht jeden an, und um sie in der Tiefe zu erklären, wäre wohl ein separater Blogbeitrag notwendig. Doch sie soll hier auch mehr als Beispiel dienen, wie die achtsamkeitsfördernden Routinen rund um die Nahrungsaufnahme aussehen können.  

    Letztendlich ist auch Achtsames Essen – oder zumindest der Weg dorthin – ein Prozess; etwas, das Zeit braucht und das man wollen und an das man sich ein bisschen gewöhnen muss, damit es verinnerlicht werden kann.

    Glück und Wertschätzung

    Ich weiß noch, wie befremdlich ich es zu Beginn fand, vor dem Essen die obige Rezitation zu sprechen. Ich hatte keinen Bezug dazu und obendrein Sorge, dass das Essen kalt wird, wenn ich auch noch Zeit mit innerer Sammlung verbringe – ich dachte bei mir, „Dankbarkeit ist gut, aber jetzt möchte ich erst einmal essen, bevor es kalt wird, und nicht noch lange kontemplieren!“.
    Heute hingegen fühlt es sich für mich fast ungewohnt an, wenn ich beispielsweise irgendwo zu Gast bin und dort sofort angefangen wird zu Essen, ohne einen kleinen Moment lang innezuhalten. Ich vermisse es dann regelrecht, kurz in innerer Zentriertheit und Dankbarkeit zu verweilen.

    Essen wertschätzen

    Denn schließlich ist die Nahrung, die auf meinem Teller liegt, durch so viele arbeitende Hände gegangen, hat Naturressourcen und anderer Menschen Mühe und Zeit gekostet, und sie nährt und stärkt mich. Obendrein empfinde ich es immer wieder als sehr besonders und berührend, dass ich so viel Glück habe, keinen Hunger leiden zu müssen. Allzu viele Menschen auf dieser Welt erleben täglich das Gegenteil.

    So könnte man wohl fortfahren. Dennoch möchte ich hier schließen, denn im Grunde genommen ist alles Wesentliche vermittelt. Vielleicht habt ihr ja den einen oder anderen Impuls mitnehmen und euer Bewusstsein für achtsames Essen schärfen können – das würde mich sehr freuen! 🙂 Teilt, wenn ihr mögt, in der Kommentarspalte auch gerne eure Erfahrungen mit mir.

    ♥, Meike


    1. Quelle: Shi Miao Dao: ”Erkenntnis durch Meditation der Liebenden-Güte”, Tredition Verlag 2023, S. 330 ↩︎
    2. Dick zu sein war zu Zeiten des Buddha ein Zeichen von Wohlstand und ein Statussymbol. ↩︎
    3. Quelle: Theragatha V. 983 ↩︎

    Bildquellen: neciodesalida auf Pixabay, Fanny Acuña auf Pixabay, Bild Mariya Muschard auf Pixabay, congerdesign auf Pixabay

  • Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

    Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

    Es gibt eine Reihe von Lebensarten, die mit der Slow Living-Bewegung viel gemein haben. Hier findest du einen kurzen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co.

    ***

    Die wunderbare Lebensart des Slow Living, das „einfach ein bisschen langsamer und bewusster leben“, ist eng mit einigen anderen Lebensphilosophien verknüpft, die in unserer Gesellschaft ebenfalls immer mehr Zuspruch finden. Und jede dieser Bewegungen teilt ein gemeinsames Ziel: den Fokus von Quantität auf Qualität zu verschieben, von einem „Mehr“ zu „Weniger“.

    Die Bewegungen und Geisteshaltungen, die ich im Folgenden beschreiben möchte, fließen direkt in das Lebenskonzept des Slow Living ein, und anders herum ebenso. Es ist nun einmal schwer, all diese schönen Ansätze strikt voneinander zu trennen, und überdies halte ich das auch gar nicht für zielführend. Denn schließlich streben wir doch letztendlich alle das gleiche an. 🙂

    Minimalismus

    Da wäre zunächst einmal die Minimalismus-Bewegung zu nennen. Dieser Ansatz, der den meisten von euch wohl ein Begriff sein dürfte, betont den bewussten Verzicht auf Überflüssiges und hat in den letzten zehn Jahren einen echten Hype erfahren.

    Weniger statt mehr

    Weniger Besitz bedeutet nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr Raum für Wesentliches, wie Beziehungen, Kreativität und Lebensfreude. Und ganz nebenbei verringert man noch seinen ökologischen Fußabdruck. 🙂

    Ein populäres Beispiel, das auch in den sozialen Medien hinreichend thematisiert wird, ist der Begriff „Capsule Wardrobes“. Er bedeutet so viel wie „reduzierte Kleiderschränke“ und meint das Aussortieren von Kleidung, die man eigentlich eh nie wirklich getragen hat oder einfach gerne weitergeben möchte, zum Beispiel für gute Zwecke. Auch Minimalismus-Challenges, die einen zeitlich begrenzten Verzicht auf Liebgewonnenes oder auch das bewusste Entrümpeln des eigenen Lebensraums fokussieren, sind häufig zu finden. Die machen übrigens richtig Freude – also wenn ihr mal über solch eine Challenge stolpert, macht mit! 🙂

    Achtsamkeit

    Die Praxis der Achtsamkeit, die ihren Ursprung in buddhistischen Traditionen hat, wurde in der westlichen Mainstream-Welt in vereinfachter, abgewandelter Form als Methode zur Stressbewältigung und Lebensoptimierung neu entdeckt. 1 Das, was wir Slow Living nennen, adaptiert quasi diesen „Grundpfeiler des bewussten Lebens“ und ist ohne ihn kaum denkbar.  

    Achtsamkeit

    Eine bewusste Wahrnehmung des Moments – sei es beim Essen, Arbeiten oder Spazierengehen – hilft, aus dem Kreislauf der ständigen Zerstreuung auszubrechen. Praktiken wie Meditation, QiGong, Yoga oder das bewusste Erleben von Routinen fördern diese Verbindung.  

    Übrigens: Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Achtsamkeitsübungen signifikant den wahrgenommenen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern können. 

    Nachhaltigkeit

    Ein bewussteres, achtsameres Leben zu führen, bedeutet auch, sich mit den ökologischen Folgen des eigenen Handelns auseinanderzusetzen. Ob es um umweltfreundlichen Konsum, Ressourcenschonung oder die Vermeidung von Abfall geht – wir alle sind dazu aufgefordert, bewusster und verantwortungsvoller mit der Natur umzugehen. 

    Nachhaltigkeit

    Jemand, der sich einer nachhaltigen Lebensart verschrieben hat, wird auf diese Punkte in der Regel besonders viel Wert legen und kann dadurch nicht nur zur persönlichen Zufriedenheit beitragen, sondern auch zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen. Als relativ bekanntes Beispiel seien hier die Zero Waste-Bewegung oder auch urbane Gemeinschaftsgärten genannt.  

    Viele Ansätze, ein Ziel

    Man könnte diesem kleinen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co. noch viele weitere Lebensphilosophien und -formen hinzufügen, und letztendlich greifen sie, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin alle ineinander.

    Und irgendwie ist das ja auch das Schöne daran: So unterschiedlich die Ansätze in ihrer Ausgestaltung auch sein mögen, letztendlich verfolgen sie alle das Ziel, dem Leben die Chance zu geben, in seiner ganzen Tiefe erfahrbar zu werden und die Welt zu einem gesünderen Ort zu machen – ob nun auf persönlich-spiritueller oder ökologischer Ebene. ♥


    Beitragsbild von Gerd Altmann auf Pixabay

    Bild „Minimalismus“ von Dee auf Pixabay

    Bild „Achtsamkeit“ von Richard Duijnstee auf Pixabay

    Bild „Nachhaltigkeit“ von Annette auf Pixabay

    1. Oftmals wird von ernsthaft praktizierenden Buddhisten bzw. spirituell interessierten Menschen bemängelt, dass der Begriff der Achtsamkeit zu häufig unvollständig oder verwässert dargestellt wird und dass der Kern dessen, worum es bei Achtsamkeit eigentlich geht, nicht mehr wirklich berührt wird. Auch ich sehe das ähnlich. Nichts desto trotz erwähne ich ihn hier, ohne ihn in der Tiefe auszuführen. Das wäre vielleicht mal ein Thema für einen anderen, etwas längeren Blogbeitrag. 🙂 ↩︎
  • 5 simple Entspannungstipps für stressige Zeiten

    5 simple Entspannungstipps für stressige Zeiten

    Zu viel um die Ohren? Vielleicht ist unter diesen fünf einfachen Tipps zum Stressabbau etwas dabei, das dir zusagt. Erfahre hier, was helfen kann, um wieder in einen Zustand der relativen Ausgeglichenheit zu gelangen, so dass in der Folge weiterführende Entspannungstechniken besser greifen können.

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    „Wenn der Mensch zur Ruhe gekommen ist, dann wirkt er.“ (Francesco Petrarca)

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    Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich im Grünen. Es ist ein lauer Sommertag und ein leises Lüftchen geht. Ich befinde mich, so könnte man sagen, gerade in einer absolut stressfreien Zone. Für meine Kreativität ein Glücksfall; nicht immer kann man unter solch angenehmen Bedingungen schreiben, leben, arbeiten. Dankbarkeit macht sich breit. Solche Gegebenheiten waren rar in den letzten Monaten. Allzu oft überwog die Geschäftigkeit und in der freien Zeit war ich zu müde, um mir in ausreichendem Maße Gutes zu tun.

    Apropos sich etwas Gutes tun – ich erinnere mich an eine Situation aus meiner Ausbildung zur Entspannungstherapeutin: Die Teilnehmer standen im Rund und vertrieben sich die Pausenzeit mit Smalltalk. Eine Dame war im Begriff, von einem eigentlich sehr unspektakulären Ereignis zu berichten (der Kontext sei hier einmal vernachlässigt) und setzte an, zu erzählen: „Tja, so etwas passiert mir auch hin und wieder. Zum Beispiel letztens. Da saß ich auf dem Sofa, meine Füße steckten gerade seit zwei Sekunden in einem Rosenbad, als es an der Tür klingelte…“
    Sie wurde durch eine andere Kursteilnehmerin jäh unterbrochen: „Siehst du!“, rief sie laut aus, „genau das ist es! Genau das macht den Unterschied! Man muss es einfach nur tun!“ In ihrem Blick lag so etwas wie Sehnsucht.

    Was sie meinte, war das Rosenbad. Ein Akt der Selbstfürsorge, eine Unterbrechung des rein funktionalen Daseins, eine Tat ohne Erwartung eines für andere sichtbaren Ergebnisses. Einfach so, inmitten – oder vielmehr trotz – des Alltags.

    Wieder zu sich selbst finden

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es fast wie ein inner-revolutionärer Akt anmuten kann, wenn man nach langer Zeit der übermäßigen Geschäftigkeit zum ersten Mal wieder etwas für sich selbst tut. Seltsam, fast fremd, fühlt es sich dann an, wieder Zeit auf das eigene Sein zu verwenden und nicht auf die äußere Welt. Es ist eine leise, zaghafte Annäherung an das ewige Sehnen, welches tief in uns wohnt. Das Sehnen nach Wohlgefühl, Heilung, Ganzwerden, Angenommensein. Nach der Abwesenheit von Stress.

    Wenn ich mich lange nicht in ausreichender Form um mich selbst gekümmert habe, dann ist es mir oftmals nicht möglich, sofort wieder mit langen Meditationen oder Dergleichem zu beginnen. Da muss was Leichteres, Einfacheres her. Eine seichte Entspannungsmethode für den Wiedereintritt in ein stressreduziertes Leben quasi.

    Doch…wie kann so etwas aussehen, welche Methode eignet sich, wenn es darum geht, überhaupt erst einmal wieder in eine gelassenere Grundhaltung zu finden? Die folgenden Punkte haben sich für mich und viele andere als sehr hilfreich erwiesen:

    Natur-Erfahrungen

    Es kann wahre Wunder wirken, sich nach stressigen Zeiten auf einen einfachen Spaziergang in die Natur zu begeben – am besten alleine, ohne Partner oder Freunde, denn auf diese Weise ist viel mehr „Wahrnehmungskapazität“ vorhanden: Wir können uns ganz der Natur widmen und uns als einen Teil von ihr erleben.
    Sehr gut für die ganz persönliche Natur-Zeit eignen sich Waldgebiete oder auch, falls möglich, das Meer bzw. ein Seeufer.

    Meer

    Naturgenuss und -wirkung 2.0 sozusagen entstehen übrigens, wenn man sich dazu entschließt, nicht nur umherzugehen, sondern sich an einen geeigneten Ort zu setzen (oder falls dies nicht möglich ist, hier und da für einen Augenblick stehenzubleiben) und seine Sinne zu trainieren:

    • Was höre ich?
    • Was sehe ich?
    • Was rieche ich?
    • Was spüre ich?

    All das unterstützt das Verweilen im gegenwärtigen Moment, das Aufmerksamsein. Und es lässt Alltagsgedanken und -sorgen für eine Weile verstummen.

    Ich empfehle übrigens, in der warmen Jahreszeit und auf geeignetem Untergrund (z.B. auf Wiesen, im Garten, im Sand, etc.), barfuß zu laufen. Das trainiert die Fußmuskulatur und schafft eine direkte Verbindung mit Mutter Erde, die reich an Elektronen ist. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese vom Körper aufgenommen werden können und dort antioxidativ wirken.1 Auch das Schwimmen in natürlichen Gewässern (also in Seen oder im Meer) hat einen ähnlichen Effekt.

    Entspannungsmusik

    Ruhige, meditative Klänge können dabei helfen, sich selbst wieder in die Ruhe zu führen. Meine Erfahrung ist: Je minimalistischer desto besser. In Zeiten von Streamingplattformen steht einem dafür eine schier unvorstellbar große Auswahl an Künstlern, Playlists und Klängen zur Verfügung. Nutzen wir doch einfach dieses Geschenk!

    Mich macht schöne Entspannungsmusik übrigens immer superkreativ, deshalb höre ich sie auch gerne, wenn ich am Schreiben/Arbeiten bin. Das Fokussieren fällt mir leichter und ich gelange schnell in eine entspanntere Grundhaltung. So geht es vielen anderen Menschen auch. Hast du schon einmal ausprobiert, Meditationsmusik o.ä. im Hintergrund laufen zu lassen, während du arbeitest?

    Routinen

    Auch Routinen können ihren Beitrag dazu leisten, wieder in die eigene Mitte zu kommen. Sie beruhigen den Geist, weil sie ein zumindest temporäres Gefühl von innerer Sicherheit schenken und somit weniger Energie verbraucht wird. Die Botschaft, die man damit an sich selbst richtet, ist: „Da ist etwas, das ich unter Kontrolle habe“. Selbst Tiere etablieren, wann immer es möglich ist, Routinen, um Energie zu sparen.

    Ich halte nicht sehr viel davon, Routinen übermäßig stark zu verfolgen oder auszuleben, aber für Zeiten großer Unruhe – oder eben auch für die Zeit danach – können wiederkehrende, gleichartig gestaltete Abläufe sehr beruhigend wirken. Wem es also hilft, der kann zum Beispiel für eine kurze Zeit

    • feste Uhrzeiten für sich täglich wiederholende Tätigkeiten wählen oder
    • eine bestimmte Art/Reihenfolge festlegen, wie Dinge getan werden.

    Das mag generell erst einmal komisch anmuten, aber vielen hilft es tatsächlich sehr.

    Fantasiereisen / Traumreisen

    Wenn es nicht gelingt, in die Meditation zu gehen, man aber trotzdem der Ruhemeditation ähnliche Zustände erreichen und für sich nutzen möchte, können Fantasiereisen (auch Traumreisen genannt) eine gute Wahl sein. Dies sind kleine, geführte „Ausflüge in die Imagination“, die meist mit geschlossenen Augen genossen werden und angenehme Bilder und Gedanken hervorrufen, die wiederum zur Entspannung beitragen.

    Gezielt die Sinne anregen, z.B. mit Düften

    Ein oft unterschätztes Tool ist die Anregung des Riechsinnes. Naturreine ätherische Öle und hochwertige Räucherstäbchen (ich empfehle hier die japanischen oder tibetischen ohne Holzstab) können, je nach Inhaltsstoff und persönlicher Vorliebe, eine wunderbare Unterstützung auf dem Weg zu innerer Ruhe sein.

    Ein Tipp: Mache zum Beispiel das Anzünden eines Räucherstäbchens vor Entspannungsmomenten (Meditation, etc.) zur Routine. Der Geist verknüpft den entsprechenden Duft recht schnell mit der Erinnerung an die darauf folgenden Ruhezustände. So gelingt es in schwierigen Zeiten leichter, in die Entspannung zu gelangen.

    Fazit

    Generell kann man festhalten, dass das sanfte Anregen der Sinne eine gute Methode ist, um nach sehr geschäftigen Zeiten wieder in ruhigere Gemütszustände zu gelangen. In der Natur werden gleich mehrere Sinne angeregt, deshalb – und aus vielen weiteren Gründen – halte ich einen Gang in die Natur für unübertroffen wertvoll, aber auch das Anregen eines konkreten Sinnes wie bei Düften, Klängen oder auch Farben, kann helfen.

    Ich weiß…Entspannung braucht freie Zeit, braucht Kapazitäten. Gerade wenn es stressig zugeht, hat man diese nicht immer. Das stellt in der Tat ein großes Problem dar.

    Dazu kommt mir in den Sinn, was ich gestern in einem Podcast hörte. Eugen Drewermann (Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller) sagte sinngemäß: Erholungszeiten fordern selten von alleine ihr Recht und ihren Raum. Vielmehr muss der Freiraum für Entspannung immer wieder verteidigt werden gegen die To Do’s, gegen all das Müssen und Sollen im geschäftigen Alltag.

    Das Folgende klingt schrecklich profan und wird so oft verwendet, dass schon kaum jemand mehr hinhört, und doch erweist sich dieser simple Spruch als unglaublich weise 😉 :

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

    ♥, Meike

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    Beitragsbild von Candiix auf Pixabay

    1. z.B.: https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/acm.2007.7048 ↩︎
    2. Sinngemäßes Zitat, Person ist mir bekannt, möchte jedoch nicht genannt werden, was ich gerne respektiere. ↩︎