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  • Earth Art: Naturmandalas legen

    Earth Art: Naturmandalas legen

    Naturmandalas sind kleine, temporäre Kunstwerke, die aus und in der Natur entstehen. Lies hier über diese wunderbare, meditative Beschäftigung und kreiere anschließend dein eigenes Mandala, wenn du magst. 🙂

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    Mandalas sind in vielen spirituellen und kulturellen Traditionen ein Symbol für Ganzheit und Harmonie – bestimmt hast du sie schon einmal hier und da gesehen. 

    Ein Mandala symbolisiert etwas, das einen Mittelpunkt hat und von dem ausgehend sich Strukturen harmonisch entfalten. Naturmandalas sind demnach ebenfalls symmetrische Muster, die aus natürlichen Materialien wie Blättern, Steinen, Blüten, Samen oder Muscheln gelegt werden. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. 

    Eine Übung in absichtslosem Handeln

    Man mag sich die Frage stellen, wozu das gut sein soll, und sie ist allzu nachvollziehbar, ist doch das Erschaffen dieser kleinen Kunstwerke eine ganz und gar temporäre Sache. Ein Platzregen, eine kräftige Windböe – und alles ist dahin.

    Naturmandalas

    Jedoch liegt gerade darin der unglaublich große Reiz dieser wundervollen Beschäftigung: Es ist eine Übung in Geduld, in absichtslosem Handeln. Ein Naturmandala (häufig auch unter der Bezeichnung Earth Art oder Land Art zu finden) führt einem unweigerlich die Schönheit des jeweiligen Moments vor Augen – aber eben auch die Vergänglichkeit allen Seins. 

    Mit Naturmandalas den Geist beruhigen

    Wenn man also bereit ist, eben diese Vergänglichkeit zu zelebrieren und Zeit zu investieren, ohne einen dauerhaft sichtbaren Gewinn aus seinem Tun zu ziehen (für mich die schwierigste aller Aufgaben 😉 ), dann kann man beginnen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen – und wird feststellen, dass das Legen eines solchen Mandalas ganz wunderbar dabei hilft, den Geist zu beruhigen und somit Achtsamkeit zu fördern.

    Earth Art

    Überdies stärkt es auf ganz zauberhafte Weise die Beziehung zu Mutter Erde. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es auch eine wunderbare Beschäftigung für Kinder: es unterstützt die Konzentrationsfähigkeit, stärkt das Bewusstsein für die Natur, fördert die Kreativität – und bringt die Kleinen hinaus an die frische Luft. 

    Die Materialien

    Die Auswahl der Materialien hängt von der Jahreszeit und dem Ort ab. Wähle am besten respektvoll nur das aus, was in der Natur schon gefallen oder leicht zu entnehmen ist. Hier ist ein bisschen Inspiration für dich: 

    • Frühling: Blumen, frisches Gras, heruntergefallene Blüten von Obstbäumen, etc. (Bitte sei gut zur Natur und pflücke keine Blüten von den Bäumen oder noch intakten Pflanzen – die Insekten benötigen den Nektar dringender als du dein Naturmandala! So braucht die Suche nach schönen Materialien vielleicht ein wenig mehr Zeit, ist dafür aber absolut umweltverträglich.) 
    • Sommer: Muscheln, Sand, farbenfrohe Blütenblätter, Gras, Steine. 
    • Herbst: Bunte Blätter, Eicheln, Kastanien, Hagebutten, Äste, Steine, Muscheln, Samen. 
    • Winter: Tannenzapfen, Äste, Moos, gefrorene Elemente wie Eiskristalle. 

    Die Gestaltung

    Der eigentliche Prozess der Gestaltung ist dann im Grunde genommen denkbar einfach: 

      • Bestimmung des Ortes: Ein ruhiger, flacher Platz, idealerweise in der Nähe der Fundstelle der Materialien. 
      • Design wählen: Beginne in der Mitte und arbeite dich nach außen vor, um die Symmetrie zu bewahren. 
      • Legen des Mandalas: Ordne die Materialien kreisförmig oder in Mustern deiner Wahl an. 

      Mandalas aus Naturmaterialien zu legen schenkt uns lauter wohltuende, heilsame Erfahrungen und passt perfekt in einen bewussten, entschleunigten und achtsamen Lebensstil. 

      Kreative Schaffensprozesse in der Natur sind für mich nicht nur ein kreativer Akt; vielmehr empfinde ich es als eine Form der Meditation. Sie erfordern ein bewusstes Wahrnehmen und Verweilen im Moment, und die regelmäßige Auseinandersetzung mit der natürlichen Welt hilft, ein inneres Gleichgewicht zu finden und gleichzeitig sein eigenes schöpferische Potenzial zu stärken. 

      Falls du also noch nie solch ein Muster in der Natur gelegt hast: Probiere es einfach aus und werde zum Earth-Art-Künstler – es macht unglaublich viel Freude. 🙂

       


      Bilder: Jan Temmel auf Pixabay, Stefan Schweihofer auf Pixabay, StarDiamant auf Pixabay

    1. Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

      Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

      Es gibt eine Reihe von Lebensarten, die mit der Slow Living-Bewegung viel gemein haben. Hier findest du einen kurzen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co.

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      Die wunderbare Lebensart des Slow Living, das „einfach ein bisschen langsamer und bewusster leben“, ist eng mit einigen anderen Lebensphilosophien verknüpft, die in unserer Gesellschaft ebenfalls immer mehr Zuspruch finden. Und jede dieser Bewegungen teilt ein gemeinsames Ziel: den Fokus von Quantität auf Qualität zu verschieben, von einem „Mehr“ zu „Weniger“.

      Die Bewegungen und Geisteshaltungen, die ich im Folgenden beschreiben möchte, fließen direkt in das Lebenskonzept des Slow Living ein, und anders herum ebenso. Es ist nun einmal schwer, all diese schönen Ansätze strikt voneinander zu trennen, und überdies halte ich das auch gar nicht für zielführend. Denn schließlich streben wir doch letztendlich alle das gleiche an. 🙂

      Minimalismus

      Da wäre zunächst einmal die Minimalismus-Bewegung zu nennen. Dieser Ansatz, der den meisten von euch wohl ein Begriff sein dürfte, betont den bewussten Verzicht auf Überflüssiges und hat in den letzten zehn Jahren einen echten Hype erfahren.

      Weniger statt mehr

      Weniger Besitz bedeutet nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr Raum für Wesentliches, wie Beziehungen, Kreativität und Lebensfreude. Und ganz nebenbei verringert man noch seinen ökologischen Fußabdruck. 🙂

      Ein populäres Beispiel, das auch in den sozialen Medien hinreichend thematisiert wird, ist der Begriff „Capsule Wardrobes“. Er bedeutet so viel wie „reduzierte Kleiderschränke“ und meint das Aussortieren von Kleidung, die man eigentlich eh nie wirklich getragen hat oder einfach gerne weitergeben möchte, zum Beispiel für gute Zwecke. Auch Minimalismus-Challenges, die einen zeitlich begrenzten Verzicht auf Liebgewonnenes oder auch das bewusste Entrümpeln des eigenen Lebensraums fokussieren, sind häufig zu finden. Die machen übrigens richtig Freude – also wenn ihr mal über solch eine Challenge stolpert, macht mit! 🙂

      Achtsamkeit

      Die Praxis der Achtsamkeit, die ihren Ursprung in buddhistischen Traditionen hat, wurde in der westlichen Mainstream-Welt in vereinfachter, abgewandelter Form als Methode zur Stressbewältigung und Lebensoptimierung neu entdeckt. 1 Das, was wir Slow Living nennen, adaptiert quasi diesen „Grundpfeiler des bewussten Lebens“ und ist ohne ihn kaum denkbar.  

      Achtsamkeit

      Eine bewusste Wahrnehmung des Moments – sei es beim Essen, Arbeiten oder Spazierengehen – hilft, aus dem Kreislauf der ständigen Zerstreuung auszubrechen. Praktiken wie Meditation, QiGong, Yoga oder das bewusste Erleben von Routinen fördern diese Verbindung.  

      Übrigens: Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Achtsamkeitsübungen signifikant den wahrgenommenen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern können. 

      Nachhaltigkeit

      Ein bewussteres, achtsameres Leben zu führen, bedeutet auch, sich mit den ökologischen Folgen des eigenen Handelns auseinanderzusetzen. Ob es um umweltfreundlichen Konsum, Ressourcenschonung oder die Vermeidung von Abfall geht – wir alle sind dazu aufgefordert, bewusster und verantwortungsvoller mit der Natur umzugehen. 

      Nachhaltigkeit

      Jemand, der sich einer nachhaltigen Lebensart verschrieben hat, wird auf diese Punkte in der Regel besonders viel Wert legen und kann dadurch nicht nur zur persönlichen Zufriedenheit beitragen, sondern auch zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen. Als relativ bekanntes Beispiel seien hier die Zero Waste-Bewegung oder auch urbane Gemeinschaftsgärten genannt.  

      Viele Ansätze, ein Ziel

      Man könnte diesem kleinen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co. noch viele weitere Lebensphilosophien und -formen hinzufügen, und letztendlich greifen sie, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin alle ineinander.

      Und irgendwie ist das ja auch das Schöne daran: So unterschiedlich die Ansätze in ihrer Ausgestaltung auch sein mögen, letztendlich verfolgen sie alle das Ziel, dem Leben die Chance zu geben, in seiner ganzen Tiefe erfahrbar zu werden und die Welt zu einem gesünderen Ort zu machen – ob nun auf persönlich-spiritueller oder ökologischer Ebene. ♥


      Beitragsbild von Gerd Altmann auf Pixabay

      Bild „Minimalismus“ von Dee auf Pixabay

      Bild „Achtsamkeit“ von Richard Duijnstee auf Pixabay

      Bild „Nachhaltigkeit“ von Annette auf Pixabay

      1. Oftmals wird von ernsthaft praktizierenden Buddhisten bzw. spirituell interessierten Menschen bemängelt, dass der Begriff der Achtsamkeit zu häufig unvollständig oder verwässert dargestellt wird und dass der Kern dessen, worum es bei Achtsamkeit eigentlich geht, nicht mehr wirklich berührt wird. Auch ich sehe das ähnlich. Nichts desto trotz erwähne ich ihn hier, ohne ihn in der Tiefe auszuführen. Das wäre vielleicht mal ein Thema für einen anderen, etwas längeren Blogbeitrag. 🙂 ↩︎
    2. Slow Living als Alternative und Gegenpol

      Slow Living als Alternative und Gegenpol

      Die Lebensweise des Slow Living kann eine großartige Alternative zu dem hektischen und überladenen Leben darstellen, das heutzutage allzu oft der Standard ist. Hier findest du ein paar Gedanken dazu.

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      Unsere Welt ist von Beschleunigung geprägt: Technologie, Globalisierung und ein ständiges „Mehr“ an Anforderungen führen dazu, dass immer mehr Menschen aller Altersschichten sich gestresst, ausgelaugt und in gewisser Weise entfremdet fühlen.

      Das breite Feld des Slow Living bietet hier eine meines Erachtens zutiefst notwendige Gegenbewegung, quasi ein Angebot, von dem man mitnehmen kann, so viel man mag. Es geht schließlich nicht um das starre Befolgen akribisch aufgestellter Regeln, sondern vielmehr darum, aus differenzierten, zu einem Überbegriff und einer Bewegung kumulierten Ansätzen das herauszusuchen, was für einen selbst funktioniert; das, mit dem man sich wohlfühlt und von dem man weiß, dass es in das individuelle Alltagsgeschehen integrierbar ist. 

      Leiser zu leben, entschleunigter zu leben, soll in erster Linie Freude und ein Plus an Wohlgefühl bereiten. Nur so kann es die Pfade freilegen, die zu gehen es notwendig ist, um zu einer gelasseneren Grundhaltung zu gelangen. 

      Technologie als Stressfaktor

      Ständige Erreichbarkeit durch Smartphones und die Erwartung, rund um die Uhr produktiv zu sein, sind zum einen relativ neue Erscheinungen, an die wir als Kollektiv erst bedingt gewöhnt sind, und zum anderen setzen sie Menschen schlichtweg unter Druck. Dieser digitale Overload führt nicht nur zu Konzentrationsproblemen, sondern häufig auch zu einem Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. 

      Wir können uns daher dazu entschließen, bewusste Offline-Zeiten einzuführen und vielleicht sogar unsere eigene Nutzung von Technologie einmal zu hinterfragen. Generell bin ich ein großer Freund von technischen Weiterentwicklungen, die das Leben leichter und angenehmer machen, jedoch muss meiner Meinung nach eben auch der bereits erwähnte Ausgleich gegeben sein, und mit ihm die Erkenntnis darüber, was uns in unserem Alltag nützt und was vielleicht den digitalen Overload begünstigt, weil es nicht wirklich notwendig ist.  

      Gesellschaftlicher Wandel

      Burnout, Depressionen und andere stressbedingte Erkrankungen nehmen weltweit zu. Immer mehr Menschen spüren, dass sie mit der Flut an Informationen und der Schnelligkeit, mit der das Leben vonstatten geht, nicht mehr mithalten können und suchen nach Alternativen, um wieder mehr Kontrolle über ihre Zeit und ihre Energie zu gewinnen. Sie sehen die Notwendigkeit, den Fokus auf persönliche Werte, Beziehungen und Lebensfreude zu legen, anstatt sich von äußeren Erwartungen treiben zu lassen. 

      Hier bietet sich das Lebensmodell des Slow Living an, um in dem stabilisierenden Rahmen eines klar definierten Begriffes erste Schritte hin zu einer neuen Art von Einfachheit und Klarheit zu unternehmen. Vielleicht findet man sogar Gleichgesinnte; vielen hilft es schließlich sehr, ein Stück des Weges zusammen mit Menschen zu gehen, die die gleiche Philosophie leben.

      Verzicht als Gewinn

      Die massiven Probleme, mit denen unsere Welt zu kämpfen hat, beispielsweise die weltweite Ressourcenknappheit oder die Ausbeutung der Erde sowie einiger Völker, machen deutlich, dass unser Lebensstil alles andere als nachhaltig ist.  

      Slow Living bietet eine sofort lebbare Vision, in der weniger Konsum nicht als Verzicht, sondern als Gewinn erfahren wird. Indem wir weniger kaufen, gebraucht kaufen, Sharing betreiben, lokal konsumieren und langlebige Produkte bevorzugen, können wir nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch eine neue und intensivere Beziehung zur Natur aufbauen. All das ist freilich doppelt lohnend: Wir tun nicht nur uns selbst, sondern auch Mutter Erde und unserer gesamten Menschheitsfamilie etwas Gutes. 

      Jetzt und Hier: Es braucht keine Wartezeit

      Das Schönste ist für mich an Lebensphilosophien wie Slow Living ist, dass es keine Wartezeit braucht. Wir können heute starten. Ohne Investition, ohne Vorbereitung, ohne einen allzu genauen Plan, ohne vorausgehende Veränderungen. Einfach durch unsere Entscheidung. Und dann, im weiteren Verlauf, haben wir immer noch die Möglichkeit, neue Informationen einzuholen, Teilbereiche zu optimieren oder uns alles noch einmal ganz anders zu überlegen und neu zu starten.

      Genau das macht Slow Living für mich so attraktiv. Ich bleibe frei in der Entscheidung und kann ganz viel für mich und meine Umwelt tun. Wenn ich gerade einmal nicht so viel Zeit oder Kapazität habe, auch mal in Nanoschritten. Und wenn dann mal wieder ein wenig mehr geht, auch mal in ganz großen. 🙂


      Beitragsbild von Joe auf Pixabay

    3. Slow Living im Alltag: wie die Umstellung gelingt

      Slow Living im Alltag: wie die Umstellung gelingt

      Hier findest du hilfreiche Tipps rund um das Thema Slow Living im Alltag: Wie kann eine Umstellung gelingen und was braucht es dafür? Lass‘ uns einen Blick auf verschiedene Aspekte und Ideen werfen.

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      Die Lebensweise des Slow Living in das tägliche Tun zu integrieren, stellt einen Prozess dar, dem – wie allem Neuen – Zeit gegeben werden sollte, um sich entfalten und festigen zu können. 

      In den meisten Fällen sind kleine, schrittweise Veränderungen ohnehin nachhaltiger als schnelle, radikale Grunderneuerungen. Es ist schließlich kein geringes Unterfangen, die individuelle Lebensweise umfassend zu hinterfragen und sie in relevanten Bereichen durch neue, gesündere und verträglichere Praktiken zu ersetzen.

      Meine Empfehlung ist daher, nicht gleich zu viel von sich selbst zu erwarten und in kleinen Schritten voranzugehen. Auf diese Weise erreichen wir am ehesten eine Veränderung, die von Dauer ist – und das ist es ja schließlich, was wir letztendlich anstreben, wenn wir beginnen, unsere Gewohnheiten umzuwandeln.  

      In den meisten Fällen sind kleine, schrittweise Veränderungen nachhaltiger als schnelle, radikale Grunderneuerungen.

      Im Folgenden sei einmal grob umrissen, wie die ersten Schritte sich gestalten könnten, wenn du beginnen möchtest, Slow Living im Alltag zu leben.

      Stress – ein komplexes Thema

      Gut für den Einstieg in ein entschleunigtes Leben ist es meiner Empfindung nach, eine kleine, einfach gehaltene Analyse des eigenen Lebensrhythmus aufzustellen.

      Werfen wir dafür zunächst kurz einen Blick auf das Thema Stress.

      Stress im Alltag

      Die Entstehung von Stress ist ein komplexes Thema. Da gibt es auf der einen Seite die äußeren Umstände und auf der anderen Seite unsere Reaktion darauf. Äußere Umstände können wir nicht immer ändern – die Art, wie wir mit ihnen umgehen, hingegen schon. Allerdings braucht eine grundlegende Veränderung unserer Verhaltens- und Reaktionsmuster oftmals Jahre und professionelle Unterstützung. Sich selbst so sehr in der Tiefe zu beleuchten, ist unglaublich lohnend; so weit wollen und können wir an dieser Stelle jedoch gar nicht gehen.

      Vielmehr möchte ich den Fokus einmal darauf legen, was wir aus eigener Kraft hier und jetzt verändern können. Die Slow-Living-Philosophie kann und soll immer nur unterstützend wirken und keinesfalls eine Therapie ersetzen. Es ist vielmehr eine Lebenseinstellung, die begünstigende Faktoren für mehr Ruhe und Raum im alltäglichen Leben schafft.

      Den Alltag analysieren

      Beginnen kannst du sinnvollerweise mit einer Art „Bestandsaufnahme“ der dir zur Verfügung stehenden Zeit und wie du sie nutzt. Ein guter erster Schritt ist beispielsweise, eine Woche lang deinen Alltag zu protokollieren. Das mag im ersten Augenblick seltsam anmuten, ist jedoch ein unglaublich hilfreiches Tool.

      Notiere dir, wieviel Zeit du für Arbeit, Freizeit, Familie, digitale Medien und andere Aktivitäten aufwendest. Diese Analyse kann aufzeigen, welche Bereiche unverhältnismäßig viel Energie beanspruchen und wo Prioritäten verschoben werden könnten. 

      Multitasking als Problem

      Auch das Erkennen „digitaler Stressoren“ ist hilfreich, wenn nicht sogar unerlässlich. Viele Menschen unterschätzen die Belastung, die durch ständige Erreichbarkeit oder Multitasking entsteht. Somit ist es nicht nur die sogenannte Bildschirmzeit an sich, die Energie rauben kann, sondern es sind auch die Dinge, die zeitgleich passieren: 

      Eine Nachricht im Messenger beantworten, während man eigentlich gerade mit dem Haushalt beschäftigt ist; Dinge mit dem Partner besprechen, während man nebenbei im Internet surft; während des Telefonierens aufräumen … die Beispiele sind zahllos. So etwas sollten wir lernen zu erkennen und zu vermeiden – es raubt uns wertvolle Kraft! 

      Den Alltag in Balance bringen

      Hilfreich ist es außerdem, die individuellen Bedürfnisse zu identifizieren. Slow Living im Alltag wirklich zu leben bedeutet, den persönlichen Rhythmus zu finden – einen, der Raum für Regeneration und Freude lässt.

      Wenn du magst, überlege einmal ganz grundsätzlich, welche Aktivitäten dir Energie geben und welche dich auslaugen, und stelle sie am besten schriftlich gegenüber. Dies halte ich für einen essenziellen Schritt, denn zwar kann nicht alles, was unangenehm anmutet, vermieden werden; jedoch finden wir durch eine gründliche Analyse leichter Wege, um unseren Alltag besser in Balance zu bringen. 

      Hier ein paar kleine Schritte für den Einstieg: 

      • Digitale Entgiftung: 
        Wenn es dir hilft, lege bestimmte Zeitfenster für Offline-Zeiten fest. Entsprechende Apps können helfen, die Bildschirmzeit zu überwachen. 
      • Zeit für Achtsamkeit: 
        Beginne den Tag mit zunächst ganz kleinen Achtsamkeitsübungen wie etwa Fünf-Minuten-Meditationen oder tiefem Atmen.   
      • Einfache Genussmomente: 
        Integriere bewusste Rituale in deinen Alltag, wie das Genießen einer Tasse Tee oder das Zubereiten einer Mahlzeit ohne Eile. Diese kleinen Veränderungen fördern eine positive Wahrnehmung des Moments und stärken das Gefühl der Zufriedenheit. 

      Qualität über Quantität

      Generell ist es wichtig, das richtige Mindset zu entwickeln. Wenn Qualität über Quantität gestellt werden soll, bedeutet dies nicht nur, Dinge bewusster wahrzunehmen und öfter im gegenwärtigen Moment zu verweilen, sondern auch, Dankbarkeit zu entwickeln für das, was in unserem Leben ist. Dankbarkeit kann sich jedoch häufig erst einstellen, wenn das Leben bereits ein wenig entschleunigt ist, weil zuvor nicht ausreichend Kapazität für die notwendige Wahrnehmung vorhanden war.

      Und hier sind wir wieder beim Faktor Zeit: Nichts geht von heute auf morgen, nicht alles wird einfach umsetzbar sein. Und vieles von dem, was du an Tipps auf dieser Webseite findest, möchtest du vielleicht auch gar nicht umsetzen; schließlich passt nicht alles für jeden.

      Meditation

      Sich mit sich selbst auseinandersetzen

      Wenn ich dir jedoch eines ans Herz legen darf, und das ist sozusagen mein größter Wunsch und meine beste Empfehlung für dich: Wenn du es bisher noch nicht oder eher verhalten getan hast, beginne, dich intensiv mit dir selbst, deinem Körper und deiner Psyche auseinanderzusetzen.

      Hinterfrage deine Verhaltensweisen, versuche, ehrlich zu dir zu sein, erforsche dein Inneres – vielleicht sogar gemeinsam mit einem Coach, Psychologen oder Heilpraktiker. (Das wäre dann die Annäherung an sich selbst auf sehr tiefer Ebene, die ich eben erwähnte. Als jemand, der selbst schon einmal über längere Zeit psychologische Beratung in Anspruch genommen hat, kann ich sagen, dass es sich immer lohnt, sein eigenes Ich, dieses wilde Gebilde, das sich über viele Jahre ge- und verformt hat, gemeinsam mit einer weiteren Person intensiv anzusehen. Viel Hemmendes, Behinderndes und Unangenehmes lässt sich auf diese Weise auflösen und lockern.)

      Frieden

      Und wenn du magst, schau dir ebenfalls einmal verschiedene spirituelle Richtungen an. Mein Interesse beispielsweise bewegt sich im Bereich der christlichen und islamischen Mystik sowie dem Buddhismus (der übrigens ganz viel Psychologie enthält und ein wunderbarer Weg der Selbsterforschung ist). Das ist nun vielleicht schon ziemlich tiefgehend und speziell, aber es gibt tausend andere Wege, die zu gehen es sich ebenfalls lohnt. Es muss ja nicht gleich ein Theologiestudium sein. 😉

      Ich denke da für Anfänger zum Beispiel an Meditations-Treffen, Tai Chi-Übungen, Achtsamkeits-Kurse, Yoga, … All diese Dinge können sich unglaublich förderlich auswirken. Und ich glaube, die Welt braucht Menschen, die bereit sind, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Vielleicht heute mehr als jemals zuvor. Denn nur wo im Inneren Frieden herrscht, kann er in die Welt getragen werden.

      Jeder Schritt ist ein Erfolg

      Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es keinen „perfekten“ Weg gibt, Slow Living im Alltag umzusetzen. Jeder Schritt in Richtung Achtsamkeit und Entschleunigung ist ein Erfolg. Es mag hin und wieder herausfordernd sein, doch die Belohnung ist ein Leben voller bewusster Momente und sehr viel mehr Erfüllung. 


      Bilder von Gerd Altmann auf Pixabay; EnergieDeVie auf Pixabay; Martin Baumann auf Pixabay

    4. Die Entstehung des „Slow Living“

      Die Entstehung des „Slow Living“

      Erfahre hier einige interessante Facts zur Entstehung der Slow-Living-Philosophie: von den Anfängen der Bewegung über ihre Entwicklung bis hin zu prägenden Persönlichkeiten.

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      Bereits seit über dreißig Jahren begegnet uns die Idee des Slow Living  – oder sagen wir, seitdem haben wir einen Begriff für etwas, das eigentlich doch ganz natürlich sein sollte; etwas, das einige Menschen schon immer präferiert haben, einfach weil sie spüren, dass es gesünder und erfüllender ist, das Leben in einem angenehmen Tempo zu gestalten.

      Dennoch ist es nicht sehr verwunderlich, dass sich in unserer industrialisierten, hochtechnologisierten Welt eigens ein Begriff für diese entschleunigte Lebensart gebildet hat. Denn wo etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, entsteht die Notwendigkeit für einen Gegenpol. 

      Slow Food als Gegenpol zu Fast Food

      Und so kam es, dass im Jahre 1986 ein Italiener namens Carlo Petrini1 ein “Slow Food”-Restaurant eröffnete – direkt gegenüber einer ebenfalls neu eröffneten Filiale des Fast-Food-Riesen Mc Donald’s. Die Kette hatte sich neben der Spanischen Treppe in Rom niedergelassen, einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Italiens aus dem 18. Jahrhundert. Dies führte zu Unmut in der Bevölkerung; es bildeten sich sogar Protestbewegungen.

      Spanische Treppe Rom
      Die Spanische Treppe in Rom

      Die Eröffnung von Petrinis Slow-Food-Lokal war Teil dieser Gegenbewegung und richtete sich gegen die Schnelllebigkeit und Uniformität der modernen Konsumgesellschaft.

      Die Ausweitung der Bewegung

      Heute hat die Slow-Food-Bewegung Anhänger in über 160 Ländern und geht weit über das Thema Ernährung hinaus: Petrinis Ansatz wurde schnell auf andere Lebensbereiche übertragen. Dies führte schließlich zur Entstehung der Slow-Living-Bewegung, wie wir sie heute kennen. Sie erwuchs, so könnte man sagen, aus der Bewusstwerdung, dass viele Menschen nicht nur ihre Beziehung zum Essen, sondern auch zur Zeit, zu ihrer Arbeit und zu sich selbst verloren hatten.

      Von Italien aus verbreitete sich die Idee anschließend in Europa und darüber hinaus, begleitet und unterstützt von einem ohnehin wachsenden Interesse an Themen wie Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit.  

      Prägende Persönlichkeiten

      Von wissenschaftlich-intellektueller Seite geprägt wurde die Bewegung beispielsweise von dem österreichischen Schriftsteller und Philosophen Ivan Illich. Seine Ideen, insbesondere aus Werken wie „Tools for Conviviality“ (1973) und „Deschooling Society“ (1971), legten bereits vor der Entstehung von Slow Living als Definition eine intellektuelle Grundlage für viele der Werte und Praktiken, die diese Lebensart ausmachen.

      Auch die Degrowth-Bewegung (im deutschsprachigen Raum unter “Postwachstumsbewegung” bekannt) trug ihren Teil zur Formung des Geistes dieser Lebensart bei. 

      Degrowth Bewegung
      Demonstration in Leipzig – degrowth.org

      Ebenfalls eine Rolle in der Entstehungsgeschichte spielt sicherlich auch der Soziologe Hartmut Rosa, der den Begriff „Beschleunigungsgesellschaft“2 prägte und damit vereinfacht gesagt einen ungesunden, durch technologische Innovation und wirtschaftliche Zwänge begünstigten Lebensrhythmus beschrieb.

      Eine Philosophie der Entschleunigung

      Ivan Illich, Hartmut Rosa – und mit ihnen noch viele weitere bekannte und weniger bekannte Akteure – waren also auf die eine oder andere Weise an der Entstehung des „Slow Living“ beteiligt, manchmal ganz bewusst, manchmal vielleicht eher unbeabsichtigt.

      Gemeinsam mit unzähligen Menschen, die sich jeden Tag wieder neu für Achtsamkeit, bewusste Langsamkeit und Simplizität entscheiden, haben sie ihren Beitrag geleistet, der Entwicklung von „Schneller, Höher, Weiter“ eine Philosophie der Entschleunigung entgegenzusetzen. 

      Slow Living

      Würde man mich fragen, ob die Entstehung von Slow Living als Begriff und Lebensphilosophie letztendlich die Kraft hat, sich in noch größerem Maße durchzusetzen, müsste ich sagen: Ich bin nicht allzu optimistisch.

      Sicher ist jedoch, dass diese schöne und heilsame Lebensart bereits jetzt viele Menschen in ihrer Entwicklung bereichert und erleichtert hat – und das ist ein unglaublich großer Gewinn.


      1. Weiterführende Informationen zu Carlo Petrini und seiner Bewegung finden sich unter www.slowfood.com ↩︎
      2. Hartmut Rosa, „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, Suhrkamp, 2005 ↩︎

      Quelle Fotografie Degrowth-Demo: Von danyonited, Klimagerechtigkeit Leipzig – leipzig.degrowth.org/de/downloads/, leipzig.degrowth.org/wp-content/uploads/2013/12/Demonstration-Genug-ist-genug-f%C3%BCr-alle-Fotos-Klimagerechtigkeit-Leipzig.zip, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35589296

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