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  • Kleine Teekunde: die Teepflanze

    Die Welt des Tees – oder vielmehr der Teepflanze, aus der all die verschiedenen Teesorten hervorgehen, kann, vor allem für Beginner, schon einmal etwas verwirrend anmuten.

    Hier findest du daher die sechs großen Teekategorien mit jeweils ein paar Beispielen für bekannte Tees und einer kurzen, einordnenden Erklärung.

    Natürlich ist diese Liste nicht vollständig; man könnte sie wohl endlos erweitern. Jedoch wollen wir hier nicht zu tief gehen, sondern vielmehr einen generellen Überblick schaffen, mit dessen Hilfe du dich anschließend in einem (Online-)Fachgeschäft einigermaßen zurechtfinden kannst.

    Camellia sinensis - die Teepflanze
    Die sechs großen Teesorten, die aus der Teepflanze hervorgehen

    Grüner Tee

    Grüntee zeichnet sich dadurch aus, dass die frisch gepflückten Blätter unmittelbar nach der Ernte durch Erhitzen (z. B. Dämpfen oder Pfannenrösten) fixiert werden, wodurch eine Oxidation weitgehend verhindert wird.

    Gaiwan mit Grüntee
    aufgebrühter grüner Tee in einem chinesischen Gaiwan

    Bekannte chinesische Grüntees sind zum Beispiel:

    • Longjing (Dragon Well): ein traditionell pfannengerösteter chinesischer Grüntee aus Zhejiang, der für seine flach gepressten Blätter und sein mild-nussiges, leicht süßliches Aroma bekannt ist.
    • Biluochun: ein feiner chinesischer Grüntee aus Jiangsu, der aus sehr jungen, spiralförmig gerollten Knospen besteht und durch sein frisches, blumig-fruchtiges Aroma sowie seine weiche Textur geprägt ist.
    • Huangshan Maofeng: ein hochwertiger chinesischer Grüntee aus der Provinz Anhui, der aus zarten, leicht gedrehten Knospen besteht.
    • Gunpowder Tea: ein recht bekannter chinesischer Grüntee, bei dem die Blätter zu kleinen, festen Kugeln gerollt werden, wodurch er ein kräftiges Aroma und eine intensive grüne Farbe entwickelt.
    • Chun Mee: ein chinesischer Grüntee aus Jiangxi, dessen leicht gebogene, nadelförmige Blätter ein leicht säuerliches, frisches Aroma mit mildem Körper und leicht herber Note entfalten.

    Teekunde-Wissen: Die bekanntesten Grüntees kommen nicht aus China, sondern aus Japan – allem voran Tees wie Sencha, Bancha und natürlich Matcha, der im Jahre 2025 einen ziemlichen Hype erlebte.

    Bekannte japanische Grüntees sind zum Beispiel:

    • Sencha: der in Japan am weitesten verbreitete Grüntee, der durch Dämpfung verarbeitet wird und ein frisches, grasiges Aroma mit ausgewogener Süße und feiner Herbe besitzt.
    • Kabusecha: ein halbbeschatteter japanischer Grüntee, der durch seine milde Süße, reduzierte Bitterkeit und ein weiches, leicht umami-betontes Aroma gekennzeichnet ist.
    • Gyokuro: ein hochwertiger, stark beschatteter Grüntee aus Japan, der für sein intensives Umami, seine ausgeprägte Süße und seine tiefe, komplexe Aromatik geschätzt wird.
    • Bancha: ein einfacher japanischer Grüntee aus späteren Pflückungen, der ein mildes, leicht herbes und wenig koffeinhaltiges Geschmacksprofil aufweist.
    • Hojicha: ein gerösteter japanischer Grüntee, der durch seine braune Farbe sowie sein warmes, nussiges und kaum bitteres Aroma auffällt.
    • Genmaicha: eine japanische Grünteemischung aus Tee und geröstetem Reis, die durch ein mildes, leicht süßliches und angenehm nussiges Aroma geprägt ist.
    • Matcha: ein fein vermahlener, beschatteter Grüntee aus Japan, der als Pulver vollständig getrunken wird und – bei hochwertigen Varianten – ein intensives, cremiges Umami-Aroma mit deutlicher Süße besitzt.
    • Kamairicha: ein seltener japanischer Grüntee, der im Gegensatz zu den meisten japanischen Tees pfannengeröstet statt gedämpft wird und dadurch ein weicheres, leicht nussiges Aroma entwickelt.

    Weißer Tee

    Weißer Tee ist die am wenigsten verarbeitete Teekategorie und zeichnet sich dadurch aus, dass die frisch gepflückten Blätter lediglich welken und schonend trocknen, ganz ohne gezielte Erhitzung oder starke Oxidation. Dadurch bleibt der natürliche Charakter des Blattes weitgehend erhalten.

    Weißer Tee (AI generated)

    Geschmacklich ist weißer Tee in der Regel mild, weich und fein, oft mit blumigen, leicht süßlichen und gelegentlich fruchtigen Noten. Je nach Pflückstandard und Alter kann er jedoch auch deutlich vollere, wärmere und komplexere Aromen entwickeln.

    • Bai Hao Yinzhen (Silver Needle) ist ein besonders hochwertiger weißer Tee aus Fujian, der ausschließlich aus ungeöffneten Blattknospen besteht und durch ein sehr feines, süßlich-mildes und leicht blumiges Aroma besticht.
    • Bai Mudan (White Peony) ist ein weißer Tee aus Fujian, der aus Knospen und jungen Blättern hergestellt wird und ein weiches, blumig-fruchtiges Aroma mit dezenter Süße aufweist.
    • Shou Mei ist ein kräftigerer weißer Tee aus späteren Pflückungen, der aus größeren Blättern besteht und ein volleres, leicht würziges und fruchtiges Geschmacksprofil entwickelt.
    • Gong Mei ist ein weißer Tee aus Fujian, der geschmacklich zwischen Bai Mudan und Shou Mei liegt und durch ein ausgewogenes, mild-fruchtiges Aroma mit leichter Tiefe gekennzeichnet ist.
    • Moonlight White ist ein besonderer weißer Tee aus Yunnan, der aus großen Blättern und Knospen besteht und ein weiches, süßlich-blumiges Aroma mit leicht malzigen und fruchtigen Noten entfaltet.

    Gelber Tee

    Gelber Tee ist eine seltene, ausschließlich in China hergestellte Teekategorie, die ähnlich wie Grüntee verarbeitet wird, jedoch einen zusätzlichen schonenden Schritt der leichten Nachdämpfung („Gelbwerden“) durchläuft. Dadurch erhalten die Blätter eine gelbliche Färbung. Geschmacklich ist gelber Tee mild, weich und rund, oft mit einer dezenten Süße und feinen floralen Noten.

    Teekunde-Wissen: Die Herstellung von gelbem Tee ist ein recht aufwendiger Prozess, weshalb dieser Tee nicht allzu häufig produziert wird und nur in wenigen, gut sortierten Fachgeschäften zu bekommen ist.

    Die beiden bekanntesten gelben Teesorten sind:

    • Junshan Yinzhen – ein seltener Tee von der Insel Junshan in Hunan, China, der ausschließlich aus feinen Blattknospen hergestellt wird und ein delikates, mild-süßliches Aroma mit floralen Noten besitzt.
    • Mengding Huangya – ein gelber Tee aus den Bergen von Mengding in Sichuan, China, der aus jungen, zarten Blättern gewonnen wird und durch sein weiches, leicht süßliches und frisches Aroma besticht.

    Oolong-Tee

    Oolong-Tee ist ein teiloxidierter Tee, der zwischen Grün- und Schwarztee liegt. Die Blätter werden nach dem Welken, Rollen und teilweiser Oxidation oft leicht geröstet; so können Oolong-Tees ein unglaublich breites, komplexes Aromaprofil von blumig-fruchtig bis nussig-röstig entwickeln. Typische Anbaugebiete sind Fujian, Guangdong und Taiwan.

    Oolongtee (AI generated)

    Hier zwei Beispiele für eher leicht oxidierte Oolongs:

    • Tieguanyin: ein berühmter chinesischer Oolong-Tee aus Fujian, der teils oxidiert und häufig leicht geröstet wird und für sein blumiges, süßliches Aroma mit feiner Mineralität bekannt ist.
    • Baozhong: ein taiwanischer Oolong mit sehr geringer Oxidation, der kaum geröstet wird und durch sein frisches, leicht blumiges Aroma und seine zarten, gedrehten Blätter besticht.

    Stärker oxidierte Oolongs sind zum Beispiel:

    • Da Hong Pao: ein berühmter dunkler Oolong aus Fujian, China, der stark oxidiert und geröstet wird und dadurch ein kräftiges, nussig-würziges Aroma mit mineralischen Noten entwickelt.
    • Shui Xian: ein chinesischer Oolong aus der Wuyi-Gebirgsregion, der mittelstark oxidiert und geröstet wird und durch sein vollmundiges, leicht süßliches und rauchiges Aroma auffällt.
    • Rou Gui: ein Oolong aus Fujian, der typischerweise mittelstark oxidiert und geröstet wird und ein charakteristisches würzig-süßliches Aroma mit Zimt- und Holznoten besitzt.

    Teekunde-Wissen: Eine Besonderheit stellen die Taiwanesischen Hochland-Oolongs dar (z. B. Dong Ding, Alishan und Lishan). Sie werden oft auf über 1000m Höhe angebaut und unterscheiden sich deutlich von klassischen chinesischen Oolongs. Oftmals fallen sie leichter, blumiger und weniger geröstet aus, während viele chinesische Oolongs kräftiger, stärker verarbeitet und aromatisch tiefer bzw. „röstiger“ sind.

    Schwarztee (roter Tee)

    Schwarztee wird in China als „roter Tee“ bezeichnet und ist eine Teekategorie, bei der die Blätter nach dem Welken gezielt gerollt und der vollständigen Oxidation ausgesetzt werden, wodurch sich ihre dunkle Farbe und ihr charakteristisches Aroma entwickeln.

    Geschmacklich ist Schwarztee in der Regel kräftiger und vollmundiger als grüne oder weiße Tees und kann je nach Herkunft malzige, fruchtige, würzige oder leicht süßliche Noten aufweisen.

    Er wird vor allem in Ländern wie China, Indien und Sri Lanka produziert, aber auch in Japan werden kleine Mengen hergestellt.

    Einige bekannte chinesische rote Tees sind:

    • Keemun: ein chinesischer Schwarztee aus der Provinz Anhui, der durch sein elegantes, leicht süßliches Aroma mit feinen floralen und dezent kakao- und röstartigen Noten auffällt.
    • Dianhong: ein Schwarztee aus der Provinz Yunnan, der aus einer Mischung von Blättern und Blattknospen hergestellt wird und ein weiches, malzig-süßes Aroma besitzt.
    • Lapsang Souchong: ein chinesischer Schwarztee aus Fujian, der traditionell über Kiefernholz geräuchert wird und dadurch ein markant rauchiges, würziges Aroma entwickelt. Achtung, sehr speziell! Muss man mögen…
    Schwarztee

    Weitere bekannte Schwarztees, die nicht aus China stammen, sind zum Beispiel:

    • Darjeeling Tee: ein indischer Schwarztee aus den Höhenlagen des Himalaya, der für sein feines, oft blumig-frisches Aroma mit leichter Muskatellnote bekannt ist.
    • Assam Tee: ein kräftiger Schwarztee aus dem gleichnamigen Anbaugebiet in Indien, der ein vollmundiges, malzig-würziges Aroma mit dunkler Farbe und hoher Intensität besitzt.
    • Ceylon Tee: ein Schwarztee aus Sri Lanka, der je nach Anbauhöhe ein klares, frisches und oft leicht zitrusartiges Aroma aufweist.
    • verschiedene Mischungen, teils aromatisiert, sind ebenfalls häufig auf dem Markt zu finden. Als bekannte Vertreter dieser Sparte wären z.B. English Breakfast, Earl Grey und die Ostfriesenmischung zu nennen.

    Dunkler Tee (Postfermentierter bzw. gelagerter Tee)

    Dunkler Tee ist eine besondere Teekategorie, bei der die Blätter nach der Verarbeitung noch längere Zeit lagern oder kontrolliert nachfermentiert werden, wodurch sie eine dunkle Farbe und ein komplexes, erdiges Aroma entwickeln. Oftmals ist dieser Tee in gepresster Form erhältlich.

    Geschmacklich reicht das Spektrum von mild, weich und leicht süßlich bis zu kräftig, erdig und manchmal holzig oder pilzartig, abhängig von Alter, Lagerung und Fermentation. Typische Vertreter sind Sheng Pu‑Erh (roh fermentiert) und Shou Pu‑Erh (gereift), die aus der Provinz Yunnan in China stammen.

    Teekunde-Wissen: Es gibt verschiedene dunkle (also gereifte oder postfermentierte) Tees, jedoch tragen nur die dunklen Tees aus der Region Yunnan den relativ bekannten Namen „Pu-Erh-Tee“.

    Pu-Erh-Tee wird also, wie eben schon angemerkt, unterteilt in

    • Sheng Pu-Erh – ein roher, natürlich fermentierter dunkler Tee aus Yunnan, der frisch getrunken oft kräftig und leicht bitter schmeckt und mit der Lagerung an Tiefe, Weichheit und Komplexität gewinnt.
    • Shou Pu-Erh ist ein künstlich nachfermentierter dunkler Tee aus Yunnan, der durch beschleunigte Reifung ein weiches, rundes, erdiges Aroma mit leichter Süße entwickelt.
    Dark Tea - Hei Cha (AI generated)

    Weitere dunkle, also postfermentierte bzw. gelagerte Tees sind:

    • Liu Bao Tee – ein traditioneller dunkler Tee aus der Provinz Guangxi, China, der nach Fermentation und Lagerung ein erdiges, malziges Aroma mit leicht holzigen Noten entwickelt.
    • Anhua Dark Tea – ein dunkler Tee aus der Provinz Hunan, der ebenfalls ein spezielles Fermentationsverfahren durchläuft und durch sein rundes, erdiges Aroma mit leichten Karamell- und Holznoten auffällt.
    • Fu Zhuan Tee – ein dunkler fermentierter Tee aus Hunan, der durch die Zugabe der Schimmelpilzkultur „Eurotium cristatum“ charakteristische erdige, malzige und leicht würzige Noten entwickelt.

    Nun geht es ans Probieren!

    Mit dieser kleinen Teekunde hast du einen kompakten Überblick über die faszinierende Welt der Teepflanze und ihre wichtigsten Kategorien gewonnen. Nutze dieses Lexikon gerne als Orientierung, aber vor allem als Einladung, selbst zu entdecken, zu probieren und deinen eigenen Geschmack zu entwickeln… denn die Vielfalt des Tees erschließt sich am besten in der eigenen Tasse. 🙂 Viel Freude auf deiner Tee-Entdeckungsreise!

    ♥, Meike

    Übrigens: Herbals, also Kräutertees, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt behandeln und dann hier verlinken.


    Bilder: eigenes Archiv, teils KI-generiert, und von sadjack sowie Haflong Tea auf Pixabay.

  • Cha Dao – Der Weg des Tees

    Cha Dao – Der Weg des Tees

    Kommt mit auf eine spannende Reise in die zauberhafte Welt der ostasiatischen Teekultur und lernt Tee neu kennen – als „Cha Dao“, einen Weg zu mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag.

    Der Dampf steigt aus der kleinen Kanne auf, während ich das Wasser über die Blätter gieße. Sofort öffnet sich ein Duft, warm und vielschichtig, als würde der Tee selbst zu atmen beginnen.
    Ich gieße den Tee in die Schale, halte sie in beiden Händen, spüre die Wärme im Porzellan und nehme den ersten Schluck. Er ist weich, lebendig, fast wie eine fließende Landschaft… Für einen Moment wird alles still: es gibt nur den Tee, den Duft und diesen einen gegenwärtigen Augenblick.

    In unserer westlichen Welt ist Tee zwar ein beliebtes Getränk, jedoch wird dem Akt der Zubereitung eher wenig Aufmerksamkeit geschenkt: Teebeutel sind oft das Mittel der Wahl, und aufgegossen wird meist in klassischen Thermoskannen o.ä. Das geht schnell und einfach, und genau das soll es für viele auch sein.

    Ich möchte hier von einer anderen Art erzählen, Tee zuzubereiten und zu konsumieren – einer Art, die inspiriert ist von der wunderbaren, jahrtausendealten Teekultur Asiens. Dort hat der Tee, genauer gesagt die Teepflanze (Camellia sinensis), eine enorme wirtschaftliche, kulturelle und spirituelle Bedeutung.

    Wenn man in Asien von Tee spricht, sind nicht unbedingt verschiedene Kräutertees gemeint, wie es hierzulande oft der Fall ist, sondern vielmehr eine ganz bestimmte Pflanze – die Teepflanze, Camellia sinensis, aus der nicht nur grüner, sondern auch weißer, gelber und schwarzer Tee sowie Oolong und fermentierter Tee (z.B. Pu Erh Tee) gewonnen werden.

    Teepflanze, Teegarten
    Die Teepflanze (Camellia sinensis) – Teegarten

    Bevor ich begann, mich intensiv mit Tee auseinanderzusetzen, war mir gar nicht bewusst, dass all diese bekannten Tees, ob z.B. grün oder schwarz, aus ein- und derselben Pflanzenart stammen.

    In Ostasien kennt man kaum Literaufgüsse, wie es hierzulande verbreitet ist. Der Tee wird dort vielmehr in sehr kleinen Mengen, dafür jedoch öfter (bis zu sechsmal oder häufiger) aufgegossen. Durch die höhere Blatt-Wasser-Konzentration entsteht ein wesentlich intensiveres Geschmacksprofil und in jedem Aufguss dominiert eine andere Note. Auf diese Weise kann der Teegenuss zu einer wahren Sinnesreise werden.

    Teezubereitung als stille Praxis

    Die Teezubereitung beginnt im Grunde genommen mit ein paar sehr einfachen Handlungen: Wasser wird erhitzt, Blätter werden aufgegossen, eine Schale wird in die Hände genommen. Wie bereits angedeutet, ist dieser Moment in vielen Kulturen Ostasiens jedoch mehr als die bloße Zubereitung eines Getränks. Er kann zu einer stillen Praxis werden, zu einer Form der Sammlung.

    Deshalb sprechen manche vom „Weg des Tees“, in China bezeichnet als Cha Dao (茶 chá = Tee; 道 dào = Weg, Prinzip, Lehre, Methode, auch Lebensweg) – ein Begriff, der weniger eine feste Lehre beschreibt als eine Haltung gegenüber dem Moment.

    Teegeschirr asiatisch
    typisch asiatische Teekeramik: eine kleine Teeschale mit einem sog. „Houhin“

    Die ostasiatische Methode der Teezubereitung eignet sich besonders gut für die innere Sammlung, weil sie ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Die Blätter entfalten sich im Wasser, der Duft steigt langsam auf, und der Geschmack entwickelt sich Schicht für Schicht. All diese kleinen Ereignisse haben das Potenzial, eine erstaunliche Tiefe zu offenbaren, und wer sich darauf einlässt, beginnt automatisch langsamer, aufmerksamer, ruhiger zu werden.

    Gong Fu Tee – tausend Facetten

    Eine bekannte Form dieser achtsamen Zubereitung ist die in China praktizierte Methode des Gong Fu Cha. Dabei werden die Blätter der Teepflanze in kleinen Gefäßen zubereitet, oft in einem Gaiwan (chinesische „Deckeltasse“) oder einer sehr kleinen Kanne. Die Menge der Blätter ist im Verhältnis zur Wassermenge relativ groß, die Aufgüsse sind kurz (oft nur wenige Sekunden lang), und derselbe Tee wird mehrfach aufgegossen. Jeder Aufguss zeigt eine neue Facette: einmal treten florale Noten hervor, dann eine weiche Süße, später vielleicht mineralische oder röstige Nuancen. Das Trinken wird zu einer langsamen Abfolge von Begegnungen mit ein- und demselben Tee.

    Gong Fu Teezeremonie
    Klassische Utensilien für eine chinesische Teezeremonie

    Diese Form des Teetrinkens wirkt fast wie eine Meditation mit einer relativ festgelegten Abfolge von Handlungen. Gefäße werden erwärmt, Wasser wird eingeschenkt, die Tassen werden gefüllt.

    Zwischen den Aufgüssen entstehen kleine Pausen. In diesen Momenten geschieht nichts Spektakuläres, und gerade darin liegt ihre Wirkung. Die Aufmerksamkeit sammelt sich, Gedanken treten in den Hintergrund, und der Tee wird zum Mittelpunkt einer stillen Erfahrung.

    Hier könnt ihr einen kleinen Einblick gewinnen:

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    Kurzer Eindruck einer Gong-Fu-Session

    Die Teepflanze (aus der die verschiedenen Teesorten hervorgehen, wie wir bereits gelernt haben) eignet sich besonders gut für die chinesische Gong-Fu-Methode. Theoretisch kann natürlich auch Kräutertee in kleinen Kannen bzw. Mengen wiederholt aufgegossen werden, jedoch wird man kaum eine vergleichbare Sinnesreise erleben wie bei der Teepflanze selbst.
    Darüber hinaus besitzt die Teepflanze auch gewisse Stoffe, die passionierte Teetrinker ihrer Wirkung wegen sehr schätzen. Neben Koffein sei hier L-Theanin genannt. Diese beiden (und weitere) Stoffe in Kombination sind für die typische „entspannte Klarheit“ verantwortlich, die sich während des Teegenusses einstellt. Koffein weckt, während L-Theanin eine beruhigende Wirkung hat (vereinfacht dargestellt).

    Bowl Tea – Einfachheit und Tiefe

    Doch der Weg des Tees muss nicht immer mit einer ausgearbeiteten Methode verbunden sein. Es gibt auch eine sehr viel einfachere Form des Teetrinkens, die in China seit Jahrhunderten verbreitet ist. Man nimmt eine Schale oder ein Glas, gibt einige Teeblätter hinein und gießt heißes Wasser darüber. Die Blätter sinken, steigen wieder auf, entfalten sich langsam. Diese schlichte Art wird manchmal als Bowl Tea oder als freies Teetrinken bezeichnet.

    Gerade diese Einfachheit besitzt, wie ich finde, eine eigene Schönheit. Es gibt kein Zubehör, wie es beim Gong Fu Tee der Fall ist, keine vorbereitenden Schritte, keine besondere Technik. Man beobachtet einfach, wie sich der Tee entwickelt. Mit jedem Nachgießen verändert sich der Geschmack leicht, während die Blätter weiter arbeiten. Das Trinken wird zu einem ruhigen Begleiten dieses Prozesses.

    Bowl Tea
    Bowl Tea

    Viele Menschen empfinden genau diese Form als besonders meditativ. Die Schale in den Händen zu halten, den aufsteigenden Duft wahrzunehmen und die Blätter im Wasser treiben zu sehen kann eine erstaunlich beruhigende Wirkung haben. Der Tee verlangt nichts – außer Aufmerksamkeit. Er entsteht einfach aus der Begegnung von Wasser und Blatt.

    In dieser Hinsicht unterscheiden sich die beiden Formen, Gong Fu und Bowl Tea, weniger, als es zunächst scheint. Die eine ist präziser und strukturierter, die andere freier und unmittelbarer. Doch beide führen zu einer ähnlichen Erfahrung: Sie verlangsamen den Moment, schaffen Raum für Wahrnehmung und erinnern daran, dass selbst einfache Handlungen eine große Tiefe besitzen können.

    Die japanische Teezeremonie

    Die japanische Teezeremonie, (茶道, Sadō oder Chadō), ist im Vergleich zur chinesischen Gong-Fu-Methode eine stärker ritualisierte Form, für die der bekannte Matcha-Tee verwendet wird. (Matcha ist pulverisierter Grüntee. Ihr seht: auch hier kommt wieder die Teepflanze zum Einsatz. 🙂 )

    Diese wunderbare, aus vielen sehr genau festgelegten Schritten bestehende Zeremonie entwickelte sich maßgeblich unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus und erreichte ihre klassische Form im 16. Jahrhundert durch den Teemeister Sen no Rikyū.

    Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Zubereitung des Tees, sondern vor allem Haltung und Atmosphäre: Ruhe, Achtsamkeit und respektvolle Begegnung. Jede Bewegung ist bewusst gestaltet, sodass die gemeinsame Teestunde zu einem Moment konzentrierter Gegenwärtigkeit wird. In diesem Video findet ihr einen ersten Eindruck:

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    Ein kleiner Nachteil ist, dass die japanische Teezeremonie sich nicht so einfach umsetzen lässt wie die Methoden, die z.B. in China und Korea (sich sehr ähnelnd) vorherrschen. Für die japanische Teezeremonie braucht es zwingend ein Gegenüber und am besten einen erfahrenen Meister. Und den findet man hierzulande wahrlich selten… Falls ihr Interesse an einer japanischen Zeremonie habt, werdet ihr jedoch zum Beispiel hier fündig.

    Sich ganz dem Moment widmen

    Für mich liegt die eigentliche Bedeutung von Cha Dao, von Tee als Weg, nicht primär in der Perfektion der Technik, sondern in der Qualität der Gegenwart. Obwohl man durchaus argumentieren könnte, dass das eine das andere hervorbringt.

    Wie dem auch sei… Jedenfalls gilt: Ob man mehrere kleine Aufgüsse in ruhiger Folge zubereitet („Gong Fu Cha“) oder einfach eine Handvoll Blätter in eine Schale legt („Bowl Tea“) – der entscheidende Schritt ist derselbe. Man hält inne und widmet sich für eine gewisse Zeit ganz dem, was gerade geschieht.

    Sich dem Tee zu widmen, führt den Geist zurück in den gegenwärtigen Augenblick.

    Für viele haben sich Teezubereitung und -genuss dadurch zu einer Art Mini-Auszeit vom Alltag entwickelt. Sich dem Tee voll und ganz zu widmen, führt den Geist zurück in den gegenwärtigen Augenblick.

    Gong Fu Cha
    Teezubereitung in einem chinesischen Gaiwan

    Und so beginnt Cha Dao, der Weg des Tees, genau dort, wo eine Tasse Tee bereitet wird: In der Sorgfalt einer Gongfu-Sitzung ebenso wie in der schlichten Geste, einige Blätter in eine Schale zu legen und Wasser darüber zu gießen. Aus dieser Einfachheit entstehen Momente der Ruhe und Aufmerksamkeit, die ein wenig von jener stillen Klarheit schenken, die so viele Menschen suchen.


    Bilder von Pexels, mirkostoedter und Tianrun auf Pixabay, Wikipedia sowie aus eigenem Archiv.