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  • Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Waldbaden ist nicht nur eine beliebte Freizeitaktivität, sondern sogar anerkannter Therapieansatz. Lasst uns herausfinden, was diese Aktivität so besonders macht und was sie vom klassischen Wandern oder Spazierengehen unterscheidet.

    Die Ursprünge des Waldbadens

    Das „Waldbaden“, auch bekannt als „Shinrin-Yoku“, stammt aus Japan und ist eine Praxis, die darauf abzielt, die positiven physischen und psychischen Effekte des Aufenthalts im Wald zu nutzen.

    Die Definition des Waldbadens entwickelte sich in den 1980er-Jahren. Heute ist der Begriff weltweit anerkannt; die Methode wird seit vielen Jahren als natürliche Therapieform zur Stressbewältigung, Förderung der Gesundheit und Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt. Grund genug, sich diesen Trend einmal genauer anzusehen. 

    Naturzeit im Wald

    Der Unterschied zu anderen Natur-Aktivitäten 

    Waldbaden unterscheidet sich von einem einfachen Spaziergang bzw. Aufenthalt im Wald durch seine Langsamkeit und seinen betont achtsamen Ansatz. Es gibt keine festgelegte Route; man könnte sagen, das Ziel ist das Da-Sein selbst.  

    Auch zu Aktivitäten wie zum Beispiel dem Bushcraften gibt es beim Waldbaden einen Unterschied: Jemand, der Survival, Bushcraft und ursprüngliche (Über-)Lebensmethoden in der Natur praktiziert, verbringt ebenfalls sehr viel Zeit in der Natur und vor allem mit Naturmaterialien – was, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch unglaublich schön und erdend sein kann.

    Beim Waldbaden hingegen geht es weniger ums Tun, sondern vielmehr ums Wahrnehmen. Wir sind nicht mit Dingen, Materialien oder dem physischen Erschaffen von etwas beschäftigt, sondern mit spüren, lauschen, fühlen.

    Bäume emittieren flüchtige organische Verbindungen, darunter sog. Phytonzide. Diese besitzen nachweislich antimikrobielle Eigenschaften, insbesondere antibakterielle und teilweise antivirale Effekte1.

    Dr. Quing Li, einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Waldbaden, hat Studien durchgeführt, die zeigen, dass das Einatmen der Phytonzide die Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) im Immunsystem steigern und so die Abwehrkräfte stärken kann.2

    Alleine oder in der Gruppe?

    Inzwischen wird relativ häufig auch geführtes Waldbaden angeboten. Diese Kurse und Veranstaltungen sind hilfreich, wenn man einen Anreiz oder Anstoß braucht, um ins Tun zu kommen, oder wenn man weiß, dass man alleine ohnehin nicht losgehen würde und Gemeinschaft sehr schätzt.

    Waldsee

    Allerdings, und das finde ich ganz wichtig zu betonen, funktioniert Waldbaden auch sehr gut ohne Anleitung. Es ist etwas, das nicht erlernt, sondern vielleicht einfach erinnert werden muss. Denn im Grunde genommen spüren wir alle, dass ein Aufenthalt in der Natur Körper und Seele guttut. Je ruhiger wir innerlich werden, desto leichter fällt es uns auch, den Aufenthalt im Wald mit all unseren Sinnen zu genießen, Abstand zu nehmen von der Eile und einfach Kraft zu tanken. 

    Wenn du das Waldbaden versuchen möchtest, dann entscheide selbst, ob es dir leichter fallen würde, eines der entsprechenden Angebote anzunehmen oder ob du jemand bist, der sich auch alleine aufmachen würde, um von einem Aufenthalt im Wald zu profitieren. Lohnend ist es in beiden Fällen. 

    Nimmst du eines der Angebote in Anspruch, hast du natürlich den Vorteil, dass du Hintergrundinfos und Tipps bekommst, von denen du sonst nicht gewusst hättest. Wissenschaftliche Erkenntnisse3 zum Beispiel, oder auch einfach eine Antwort auf grundlegende Fragen, die als Neuling vielleicht auftauchen (“Wie kann ich den Wald wirklich wahrnehmen, wie fange ich an und was kann ich tun, um bestmöglich von meiner Zeit in der Natur zu profitieren?”).  

    Tipps für den Anfang

    Im Folgenden findest du einige grundlegende Tipps für deinen Start ins Waldbaden: 

    • Langsames Gehen: Bewegen dich bewusst und ohne Eile durch den Wald. 
    • Die Sinne aktivieren: Achte zum Beispiel auf die Geräusche der Blätter, den Duft der Erde und die Farben der Umgebung. 
    • Bewusst atmen: Nehme die frische Luft bewusst wahr und atme langsam und gleichmäßig. 
    • Interaktion mit der Natur: Berühre Baumrinden, beobachte Pflanzen oder setze dich einfach auf den Waldboden oder einen Baumstumpf. 
    • Digitale Entgiftung: Lasse am besten elektronische Geräte zu Hause oder schalte sie aus, um Ablenkungen zu vermeiden. 
    • Barfußlaufen: Das direkte Spüren des Bodens fördert die Erdung und steigert das sensorische Erlebnis. 
    • Meditation im Wald: Das Kombinieren von Meditation mit einem Aufenthalt im Wald kann die positiven Effekte beider Methoden verstärken. 
    Der Klang des Waldes - leiserleben.de

    Die Natur neu erleben

    Waldbaden ist eine kraftvolle Methode, um Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Es ist eine Einladung, die Natur auf eine neue, tiefere Weise zu erleben und die Verbindung zwischen Mensch und Umwelt zu stärken. In einer Welt, die oft von Hektik und digitalen Ablenkungen geprägt ist, bietet die ganz persönliche Naturzeit im Wald eine wunderbare Gelegenheit, seinen Alltag zu entschleunigen (Entschleunigung fühlbar zu machen) und das persönliche Wohlbefinden zu steigern. 

    Wandern – ganz anders und doch ähnlich

    Beim Wandern und auch beim klassischen Spazierengehen kann man von vielen der Vorteile profitieren, die auch das Waldbaden bietet – und gleichwohl schenken diese Aktivitäten einen anderen, ganz eigenen Erlebnis- und Erkenntnisraum. 

    Wenn man wandert, ist man körperlich immer in Bewegung, ganz im Gegensatz zum Waldbaden. Das bietet einerseits weniger Raum zum Spüren, Hinhören, Fühlen; andererseits schenkt es die Möglichkeit, in eine besondere Art von Gewahrsein zu gelangen.

    Meine Erfahrung ist, dass erst nach dem Zurücklegen von ca. acht bis zehn Kilometern wirklich erfahrbar wird, was das Wandern, das Gehen, bewirken kann. Während der ersten paar Kilometer ist der Kopf häufig noch voller Gedanken und die Aufmerksamkeit mal hier, mal dort. 

    Doch je mehr Strecke man zurückgelegt hat, desto ruhiger wird der Geist, desto mechanischer die Schritte, und schließlich macht sich eine besondere Art von Klarheit bemerkbar. Ich möchte es beschreiben als eine Stille, die beobachtet, während man in Bewegung ist. Fast so, als würde man sich gehend in Meditation befinden. Viele Trekking-Erfahrene beschreiben diesen Zustand als „Flow“.

    Natur erleben

    Für mich ist das Wandern daher eine Aktivität, die ich gerne alleine vollziehe, denn so scheint mir diese Erfahrung am intensivsten und schönsten. Gemeinsam Wandern kann auch angenehm sein, und auch das tue ich hin und wieder, doch wenn ich mich alleine aufmache, ist das Erleben tiefer, die Stille hörbarer, der Geist weniger abgelenkt.  

    Falls du Lust am Wandern verspürst, jedoch nicht alleine losgehen möchtest und keiner deiner Bekannten dein Hobby teilt, kann ich dir Wandervereine empfehlen. Der Deutsche Volkssportverband e.V. (DVV) hat zum Beispiel ein großes Angebot für regionale Wandertage, geführte Wanderungen usw. – dort wirst du bestimmt fündig.  

    Die Natur wirkt immer heilsam

    Ob nun Waldbaden, Wandern oder ein einfacher Spaziergang – es kommt immer ein bisschen darauf an, mit welcher Intention man an die jeweilige Betätigung herangeht, welcher Typ man ist und welchen Nutzen man vorrangig aus den Aktivitäten ziehen möchte.

    Und allzu oft lassen sich diese Aktivitäten auch gar nicht voneinander trennen. Irgendwie ja auch nachvollziehbar, denn schließlich ist der große gemeinsame Nenner das Naturerleben, das Sein inmitten von Grün, Leben, Ursprung und Frische. Und das wirkt immer heilsam, ganz egal in welcher Form. 🙂


    1. https://en.wikipedia.org/wiki/Phytoncide
      https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32906736
      ↩︎
    2. https://link.springer.com/article/10.1007/s12199-008-0068-3
      ↩︎
    3. https://dec.ny.gov/nature/forests-trees/immerse-yourself-for-better-health ↩︎

    Bildquellen: Kurt Bouda auf Pixabay, Harmony Lawrence auf Pixabay, Pexels auf Pixabay, Andreas Hoja auf Pixabay