Autor: Meike

  • Leo Tolstois „Rede gegen den Krieg“

    Leo Tolstois „Rede gegen den Krieg“

    Eigentlich hätte Leo Tolstoi seine „Rede gegen den Krieg“ im Jahre 1909 auf einem Kongress in Stockholm vortragen sollen; dazu kam es jedoch nie. Tolstoi veranlasste daraufhin die Veröffentlichung seiner Rede in Schriftform.

    Auch mehr als ein Jahrhundert später wirkt Tolstois Kritik am Krieg bemerkenswert gegenwärtig. Denn mag sie auch in manchen Passagen radikal, gar anarchistisch anmuten, so erinnert sie doch an ein Gebot, dessen immerwährende Gültigkeit kaum bestritten werden mag: „Du sollst nicht töten!“

    Im Folgenden findet ihr die Rede im Originalwortlaut.

    „Geliebte Brüder!

    Wir haben uns hier versammelt, um gegen den Krieg zu kämpfen. Gegen den Krieg, das will heißen, gegen das, wofür sämtliche Völker der Erde, Millionen und Millionen von Menschen, einigen Dutzenden, manchmal bloß einem einzigen Menschen, nicht nur Milliarden von Rubeln, Talern, Franken, Jens, die einen großen Teil ihrer Arbeit repräsentieren, sondern auch sich selbst, ihr Leben uneingeschränkt zur Verfügung stellen.

    Und nun wollen wir, ein Dutzend Privatmenschen, die aus verschiedenen Enden der Erde zusammengekommen sind, ohne alle besonderen Privilegien, vor allem ohne jede Macht über jemanden, kämpfen; und wenn wir kämpfen wollen, so hoffen wir auch zu siegen über diese ungeheure Macht nicht etwa nur einer, sondern aller Regierungen, die über Milliarden Geldes und über Armeen von Millionen Menschen verfügen und es nur zu gut wissen, daß die Ausnahmestellung, die sie, d. h. die Menschen, welche die Regierung bilden, einnehmen, einzig und allein auf dem Militär beruht -, auf dem Militär, welches nur dann Sinn und Bedeutung hat, wenn der Krieg besteht, derselbe Krieg, gegen den wir kämpfen wollen und den wir vernichten möchten.

    Bei solchen ungleichen Kräften muß ein Kampf als Wahnsinn erscheinen. Macht man sich aber die Bedeutung der Kampfmittel, die sich in den Händen jener, die wir bekämpfen wollen, und die sich in unseren Händen befinden, klar, so werden wir nicht darüber staunen, daß wir uns zum Kampf entschließen, sondern darüber, daß das, was wir bekämpfen wollen, überhaupt noch besteht. In ihren Händen befinden sich Milliarden von Geld, Millionen williger Soldaten, in unsern Händen befindet sich nur ein Mittel, aber das allermächtigste Mittel der Welt – die Wahrheit.

    Und deshalb mögen unsere Kräfte noch so gering erscheinen in Vergleich mit den Kräften unserer Gegner, unser Sieg ist ebenso gewiß, wie der Sieg des Lichtes der aufgehenden Sonne über die Finsternis der Nacht.

    Unser Sieg ist gewiß, aber nur unter einer Bedingung – unter der Bedingung, daß wir die Wahrheit verkündigen und sie rückhaltlos, ohne alle Umschweife, ohne jede Konzession, ohne jede Milderung heraussagen. Diese Wahrheit aber ist so einfach, so klar, so einleuchtend, so verbindlich nicht bloß für den Christen, sondern für jeden vernünftigen Menschen, daß man sie nur in ihrer ganzen Bedeutung auszusprechen braucht, auf daß die Menschen ihr nicht mehr zuwider handeln können.

    Diese Wahrheit ist in ihrer vollen Bedeutung in dem enthalten, was Jahrtausende vor uns in dem Gesetz, das wir das Gesetz Gottes nennen, in zwei Worten gesagt ist: Tötet nicht! Diese Wahrheit besagt, daß der Mensch unter keinen Umständen und unter keinerlei Vorwand einen andern töten kann oder darf.

    Diese Wahrheit ist so klar, so allgemein anerkannt, so verpflichtend, daß sie nur klar und bestimmt vor den Menschen aufgestellt zu werden braucht, damit das Übel, das Krieg heißt, vollkommen unmöglich werde. Und deshalb glaube ich, daß wir, die hier zum Weltkongreß versammelt sind, wenn wir diese Wahrheit nicht klar und bestimmt aussprechen, sondern uns an die Regierungen wenden und ihnen allerlei Maßnahmen vorschlagen, um die Übel des Krieges zu verringern und die Kriege seltener zu machen, auf diese Weise jenen Menschen gleichen, die mit dem Torschlüssel in den Händen gegen die Mauern Sturm laufen, die, sie wissen es wohl, ihre Anstrengungen nicht zu stürzen vermag.

    Wir wissen, daß alle diese Menschen gar kein Verlangen danach haben, ihresgleichen zu töten, zumeist sogar die Veranlassung nicht kennen, auf die hin man sie zur Ausführung dieser Tat zwingt, die ihnen widerlich ist; daß ihnen ihre Lage, in der sie Bedrückung und Zwang erleiden, zur Last fällt; wir wissen, daß die Mordtaten, die von Zeit zu Zeit von diesen Menschen verübt werden, auf Befehl der Regierung geschehen, wissen, daß das Bestehen der Regierung durch die Armeen bedingt wird. Und nun finden wir, die wir die Vernichtung des Krieges anstreben, nichts Zweckmäßigeres zu seiner Aufhebung, als ihnen anzuraten, – ja, wem denn? den Regierungen, die bloß durch das Militär, also durch den Krieg bestehen, – solche Maßregeln zu ergreifen, die den Krieg vernichten sollen, d. h. wir raten den Regierungen, sich selbst zu vernichten.

    Die Regierungen werden mit Befriedigung all solche Reden hören, denn sie wissen nicht nur, daß derlei Erörterungen den Krieg nicht vernichten und ihre Macht nicht untergraben, sondern auch, daß die eigentliche Ursache dadurch den Menschen nur noch besser verborgen wird, die Ursache, die sie vor ihnen verbergen müssen, damit Armeen und Kriege und auch sie selbst, die diese Armeen befehligen, fortbestehen können.

    „Ja, aber das ist doch Anarchismus: niemals haben die Menschen ohne Regierung und Staat gelebt. Und darum sind Regierungen und Staaten und auch die Heeresmacht, die sie beschützt, unerläßliche Lebensbedingungen der Menschen“, wird man mir entgegnen.

    Ganz abgesehen davon, ob ein Leben der christlichen Völker und überhaupt aller Völker ohne Militär und Krieg, von denen Regierungen und Staat beschützt werden, möglich ist oder nicht, zugegeben sogar, die Menschen müßten sich unbedingt zu ihrem Wohle den Institutionen, welche aus Menschen bestehen, die sie nicht kennen und die sie Regierungen heißen, knechtisch unterwerfen, zugegeben, sie müßten diesen Einrichtungen unweigerlich die Produkte ihrer Arbeit überliefern, sie müßten allen Forderungen dieser Einrichtungen unbedingt bis zum Mord an ihren Nächsten Folge leisten, – auch wenn wir das alles zugeben, selbst dann bleibt noch eine Schwierigkeit, die unsere Welt nicht lösen kann.

    Diese Schwierigkeit besteht in der Unmöglichkeit, den christlichen Glauben, zu dem sich alle Menschen, welche die Regierung repräsentieren, mit besonderem Nachdruck bekennen, mit ihren aus Christen bestehenden Armeen, die sie zum Morde abrichten, zu vereinbaren. Man mag die christliche Lehre noch so sehr entstellen, mag nach Belieben sich um ihre Hauptlehren schweigend herumdrücken, die Grundidee dieser Lehre besteht doch nur in der Liebe zu Gott und den Nächsten. Zu Gott, das heißt zur allerhöchsten Vollkommenheit der Tugend, und zum Nächsten, das heißt zu allen Menschen ohne Unterschied. Deshalb, sollte man glauben, muß man eines von beiden anerkennen: entweder das Christentum mit der Liebe zu Gott und den Nächsten, oder den Staat mit Armeen und Krieg.

    Es ist sehr wohl möglich, daß das Christentum seine Zeit überlebt hat und daß die modernen Menschen, wenn sie vor die Wahl gestellt werden, sich für das Christentum und die Liebe oder den Staat und den Mord zu entscheiden, finden werden, das Bestehen des Staates sei dermaßen wichtiger als das Christentum, daß man das Christentum vergessen und nur am Wichtigeren festhalten müsse: am Staat und am Mord.

    Alles das mag schon sein, – wenigstens können die Menschen so denken und fühlen. Dann aber muß man es auch so sagen. Man muß sagen, die Menschen unserer Zeit müßten aufhören zu glauben, was die gemeinsame Weisheit der ganzen Menschheit sagt, was das Gesetz, zu dem sie sich bekennen, verkündigt, sie müßten aufhören zu glauben, was mit unvertilgbaren Zügen in das Herz eines jeden gegraben ist, und müßten statt dessen an das glauben, was ihnen – den Mord inbegriffen – die und jene Menschen befehlen, Kaiser und Könige, die durch Zufall oder Erblichkeit zu ihrer Stellung gekommen sind, oder Präsidenten, Reichstagsabgeordnete und Deputierte, die mit Hilfe von allerlei Schlichen gewählt worden sind. Das also muß man dann sagen.

    Nun aber kann man das nicht sagen. Nicht bloß dies kann man nicht sagen, sondern weder das eine noch das andere kann man sagen. Sagt man, das Christentum verbietet den Mord, – so wird es kein Militär geben, es wird keinen Staat geben. Sagt man, wir, die Regierung, erkennen die Berechtigung des Mordens an und leugnen das Christentum, – so wird sich niemand einer Regierung unterwerfen wollen, die ihre Macht auf Mord aufbaut. Und noch eins: wenn der Mord im Kriege zulässig ist, muß er erst recht dem Volke gestattet sein, das sein Recht in der Revolution sucht. Und deshalb sind die Regierungen, da sie weder das eine noch das andere sagen können, nur um eines besorgt: ihren Untertanen zu verbergen, daß es notwendig ist, zwischen diesen zwei Wegen die Entscheidung zu treffen.

    Darum also haben wir, die wir hier versammelt sind, um dem Übel des Krieges zu steuern, wenn wir unser Ziel wirklich erreichen wollen, nur eines zu tun: wir müssen dieses Entweder-Oder mit voller Bestimmtheit und Klarheit aufstellen, in gleicher Weise vor den Menschen, welche die Regierung ausmachen, wie vor den Massen des Volkes, die das Militär bilden. Und dies müssen wir in der Art tun, daß wir nicht nur klar und offen die allen Menschen bekannte Wahrheit wiederholen: Ein Mensch darf den andern nicht töten! sondern noch dazu ausdrücklich erklären, daß keinerlei Erörterungen die Menschen der christlichen Welt von der Verpflichtung, die diese Wahrheit in sich schließt, befreien können.

    Deshalb möchte ich unserer Versammlung den Vorschlag machen, einen Aufruf an die Menschen sämtlicher und besonders der christlichen Völker zu verfassen und zu veröffentlichen, worin wir klar und gerade heraus sagen, was zwar alle wissen, was aber niemand oder so gut wie niemand sagt: nämlich, daß der Krieg nicht, wie das jetzt die Menschen vorgeben, irgendeine besondere wackere und lobenswerte Sache sei, sondern daß er, wie jeder Mord, eine abscheuliche und frevelhafte Handlung ist, und zwar nicht nur für die, welche die militärische Laufbahn aus freien Stücken wählen, sondern auch für die alle, die sich ihr aus Furcht vor Strafe oder um eigennütziger Interessen willen widmen.

    Im Hinblick auf die Personen, die die militärische Tätigkeit freiwillig wählen, möchte ich vorschlagen, daß wir in diesem Aufruf klar und präzis zum Ausdruck bringen, daß diese Tätigkeit, ungeachtet aller Feierlichkeit, allen Glanzes und der allgemeinen Billigung, die ihr zuteil wird, verbrecherisch und schändlich ist, und zwar umsomehr, je höher die Stellung ist, die der Mensch im Militärdienst einnimmt.

    Ebenso möchte ich in Bezug auf die Menschen aus dem Volke, die durch Androhung von Strafen oder durch Aussicht auf Gewinn zum Militär herangezogen werden, vorschlagen, daß wir klar und bestimmt auf den großen Irrtum hinweisen, den sie gegen ihren Glauben, wie gegen die Sittlichkeit und den gesunden Menschenverstand dadurch begehen, daß sie darein einwilligen, in die Armee zu treten: Gegen den Glauben dadurch, daß sie in die Reihen von Mördern treten und das von ihnen anerkannte Gesetz Gottes verletzen; gegen die Sittlichkeit dadurch, daß sie aus Furcht, von Seiten der Behörden bestraft zu werden oder um eigennütziger Interessen willen bereit sind, zu tun, was sie in ihrem Innern für schlecht erkennen; und gegen den gesunden Menschenverstand dadurch, daß sie, wenn sie in das Heer treten, im Kriegsfall von denselben, wenn nicht noch schwereren Leiden bedroht sind, als die sind, die ihnen für die Dienstweigerung drohen; gegen den gesunden Menschenverstand vor allem aber schon darum, weil sie demselben Schlag Menschen sich beigesellen, der sie ihrer Freiheit beraubt und sie zum Militärdienste zwingt.

    Die Menschheit im allgemeinen und unsere christliche Menschheit im besonderen ist zu einem so schroffen Widerspruch zwischen ihren sittlichen Forderungen und der bestehenden Gesellschaftsordnung gelangt, daß unbedingt eines geändert werden muß, nicht das, was nicht geändert werden kann: die sittlichen Forderungen des Gewissens sondern das, was wohl geändert werden kann: die Gesellschaftsordnung. Diese Änderung, die der innere Widerspruch gebietet, der in der Vorbereitung zum Morde besonders scharf zu Tage tritt, wird von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag immer dringender. Die Spannung, die diese bevorstehende Änderung seit langem erzeugt, hat heute schon einen solchen Grad erlangt, daß es, wie zum Übergang eines flüssigen Körpers in einen festen manchmal ein geringer Stoß genügt, ebenso auch zum Übergang aus jenem grausamen und unvernünftigen Leben der Menschen mit seiner Absonderung, seinen Rüstungen und Armeen, zu einem vernünftigen, den Forderungen der Erkenntnis der jetzigen Menschheit entsprechenden Leben möglicherweise nur einer geringen Anstrengung, vielleicht nur eines Wortes bedarf.

    Jede solche Anstrengung, jedes solche Wort kann zu jenem Stoß der abgekühlten Flüssigkeit werden, der plötzlich die Flüssigkeit in einen festen Körper verwandelt. Warum sollte unsere jetzige Versammlung nicht diese Anstrengung sein? So, wie im Märchen Andersens, als beim feierlichen Umzüge der König durch die Straßen der Stadt ging, und das ganze Volk entzückt war ob der wunderbaren neuen Kleidung, ein Wort eines Kindes, das aussprach, was alle wußten, aber niemand sagte, alles geändert hat. Es sagte: „Er hat ja gar nichts an“, und die Suggestion hörte auf, und der König schämte sich, und alle Menschen, die sich eingeredet hatten, ein wunderschönes neues Kleid am König zu sehen, wurden nun gewahr, daß er nackt sei.

    Auch wir müssen dasselbe sagen, wir müssen sagen, was alle wissen und nur nicht zu sagen wagen, wir müssen sagen, daß, wenn die Menschen dem Mord einen noch so veränderten Namen geben, der Mord immer nur Mord bleibt – eine frevelhafte, schmachvolle Tat. Und man braucht nur klar, bestimmt und laut, wie wir das hier zu tun vermögen, dies zu sagen, und die Menschen werden aufhören zu sehen, was sie zu sehen vermeinten und werden erblicken, was sie in Wirklichkeit sehen. Sie werden aufhören, im Krieg den Vaterlandsdienst, den Heldenmut, den Kriegsruhm, den Patriotismus zu sehen, und werden sehen, was da ist: die nackte frevelhafte Mordtat. Und wie die Menschen das sehen, wird dasselbe geschehen, was in dem Märchen geschah: diejenigen, die die Freveltaten üben, werden sich schämen, diejenigen aber, die sich eingeredet haben, daß sie im Mord keine Frevelhaftigkeit sehen, werden sie jetzt gewahr werden, und werden aufhören. Mörder zu sein.

    Wie aber sollen sich die Völker gegen die Feinde wehren, wie soll die innere Ordnung aufrecht erhalten werden, wie können die Völker ohne Militär bestehen?

    Welche Form das Leben der Menschen annehmen wird, wenn sie den Mord unterlassen, wissen wir nicht und können es nicht wissen, eines aber ist sicher: daß es den Menschen, die mit Vernunft und Gewissen begabt sind, natürlicher ist, ihr Leben von Vernunft und Gewissen lenken zu lassen, als sich knechtisch denen zu unterwerfen, die das gegenseitige Töten anordnen. Und sicher ist darum auch, daß die Form der gesellschaftlichen Ordnung, die das Leben der Menschen annehmen wird, wenn sie sich bei ihren Handlungen nicht von der Gewalt, die auf Todesdrohungen gegründet ist, sondern von der Vernunft und vom Wissen leiten lassen, jedenfalls nicht schlimmer wird, als das Leben, das sie jetzt führen.

    Das ist alles, was ich sagen wollte. Es wäre mir sehr leid, wenn ich jemanden beleidigt, gekränkt oder böse Gefühle in ihm erweckt hätte. Doch wäre es für mich, einen 80jährigen Greis, der jeden Augenblick des Todes gewärtig ist, eine Schande, nicht ganz offen die Wahrheit zu sagen, wie ich sie verstehe, die Wahrheit, die nach meiner festen Überzeugung allein die Menschheit von den unseligen Drangsalen zu erretten vermag, die der Krieg hervorbringt und unter denen sie leidet.“


    Leo Tolstoi, „Rede gegen den Krieg“, gemeinfrei – Quelle: https://www.tolstoi-friedensbibliothek.de/2023/04/02/rede-gegen-den-krieg/

    Bildquelle: Wikipedia

  • Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Naturzeit: Waldbaden, Wandern und Co.

    Waldbaden ist nicht nur eine beliebte Freizeitaktivität, sondern sogar anerkannter Therapieansatz. Lasst uns herausfinden, was diese Aktivität so besonders macht und was sie vom klassischen Wandern oder Spazierengehen unterscheidet.

    Die Ursprünge des Waldbadens

    Das „Waldbaden“, auch bekannt als „Shinrin-Yoku“, stammt aus Japan und ist eine Praxis, die darauf abzielt, die positiven physischen und psychischen Effekte des Aufenthalts im Wald zu nutzen.

    Die Definition des Waldbadens entwickelte sich in den 1980er-Jahren. Heute ist der Begriff weltweit anerkannt; die Methode wird seit vielen Jahren als natürliche Therapieform zur Stressbewältigung, Förderung der Gesundheit und Verbesserung des Wohlbefindens eingesetzt. Grund genug, sich diesen Trend einmal genauer anzusehen. 

    Naturzeit im Wald

    Der Unterschied zu anderen Natur-Aktivitäten 

    Waldbaden unterscheidet sich von einem einfachen Spaziergang bzw. Aufenthalt im Wald durch seine Langsamkeit und seinen betont achtsamen Ansatz. Es gibt keine festgelegte Route; man könnte sagen, das Ziel ist das Da-Sein selbst.  

    Auch zu Aktivitäten wie zum Beispiel dem Bushcraften gibt es beim Waldbaden einen Unterschied: Jemand, der Survival, Bushcraft und ursprüngliche (Über-)Lebensmethoden in der Natur praktiziert, verbringt ebenfalls sehr viel Zeit in der Natur und vor allem mit Naturmaterialien – was, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, auch unglaublich schön und erdend sein kann.

    Beim Waldbaden hingegen geht es weniger ums Tun, sondern vielmehr ums Wahrnehmen. Wir sind nicht mit Dingen, Materialien oder dem physischen Erschaffen von etwas beschäftigt, sondern mit spüren, lauschen, fühlen.

    Bäume emittieren flüchtige organische Verbindungen, darunter sog. Phytonzide. Diese besitzen nachweislich antimikrobielle Eigenschaften, insbesondere antibakterielle und teilweise antivirale Effekte1.

    Dr. Quing Li, einer der führenden Wissenschaftler im Bereich Waldbaden, hat Studien durchgeführt, die zeigen, dass das Einatmen der Phytonzide die Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) im Immunsystem steigern und so die Abwehrkräfte stärken kann.2

    Alleine oder in der Gruppe?

    Inzwischen wird relativ häufig auch geführtes Waldbaden angeboten. Diese Kurse und Veranstaltungen sind hilfreich, wenn man einen Anreiz oder Anstoß braucht, um ins Tun zu kommen, oder wenn man weiß, dass man alleine ohnehin nicht losgehen würde und Gemeinschaft sehr schätzt.

    Waldsee

    Allerdings, und das finde ich ganz wichtig zu betonen, funktioniert Waldbaden auch sehr gut ohne Anleitung. Es ist etwas, das nicht erlernt, sondern vielleicht einfach erinnert werden muss. Denn im Grunde genommen spüren wir alle, dass ein Aufenthalt in der Natur Körper und Seele guttut. Je ruhiger wir innerlich werden, desto leichter fällt es uns auch, den Aufenthalt im Wald mit all unseren Sinnen zu genießen, Abstand zu nehmen von der Eile und einfach Kraft zu tanken. 

    Wenn du das Waldbaden versuchen möchtest, dann entscheide selbst, ob es dir leichter fallen würde, eines der entsprechenden Angebote anzunehmen oder ob du jemand bist, der sich auch alleine aufmachen würde, um von einem Aufenthalt im Wald zu profitieren. Lohnend ist es in beiden Fällen. 

    Nimmst du eines der Angebote in Anspruch, hast du natürlich den Vorteil, dass du Hintergrundinfos und Tipps bekommst, von denen du sonst nicht gewusst hättest. Wissenschaftliche Erkenntnisse3 zum Beispiel, oder auch einfach eine Antwort auf grundlegende Fragen, die als Neuling vielleicht auftauchen (“Wie kann ich den Wald wirklich wahrnehmen, wie fange ich an und was kann ich tun, um bestmöglich von meiner Zeit in der Natur zu profitieren?”).  

    Tipps für den Anfang

    Im Folgenden findest du einige grundlegende Tipps für deinen Start ins Waldbaden: 

    • Langsames Gehen: Bewegen dich bewusst und ohne Eile durch den Wald. 
    • Die Sinne aktivieren: Achte zum Beispiel auf die Geräusche der Blätter, den Duft der Erde und die Farben der Umgebung. 
    • Bewusst atmen: Nehme die frische Luft bewusst wahr und atme langsam und gleichmäßig. 
    • Interaktion mit der Natur: Berühre Baumrinden, beobachte Pflanzen oder setze dich einfach auf den Waldboden oder einen Baumstumpf. 
    • Digitale Entgiftung: Lasse am besten elektronische Geräte zu Hause oder schalte sie aus, um Ablenkungen zu vermeiden. 
    • Barfußlaufen: Das direkte Spüren des Bodens fördert die Erdung und steigert das sensorische Erlebnis. 
    • Meditation im Wald: Das Kombinieren von Meditation mit einem Aufenthalt im Wald kann die positiven Effekte beider Methoden verstärken. 
    Der Klang des Waldes - leiserleben.de

    Die Natur neu erleben

    Waldbaden ist eine kraftvolle Methode, um Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Es ist eine Einladung, die Natur auf eine neue, tiefere Weise zu erleben und die Verbindung zwischen Mensch und Umwelt zu stärken. In einer Welt, die oft von Hektik und digitalen Ablenkungen geprägt ist, bietet die ganz persönliche Naturzeit im Wald eine wunderbare Gelegenheit, seinen Alltag zu entschleunigen (Entschleunigung fühlbar zu machen) und das persönliche Wohlbefinden zu steigern. 

    Wandern – ganz anders und doch ähnlich

    Beim Wandern und auch beim klassischen Spazierengehen kann man von vielen der Vorteile profitieren, die auch das Waldbaden bietet – und gleichwohl schenken diese Aktivitäten einen anderen, ganz eigenen Erlebnis- und Erkenntnisraum. 

    Wenn man wandert, ist man körperlich immer in Bewegung, ganz im Gegensatz zum Waldbaden. Das bietet einerseits weniger Raum zum Spüren, Hinhören, Fühlen; andererseits schenkt es die Möglichkeit, in eine besondere Art von Gewahrsein zu gelangen.

    Meine Erfahrung ist, dass erst nach dem Zurücklegen von ca. acht bis zehn Kilometern wirklich erfahrbar wird, was das Wandern, das Gehen, bewirken kann. Während der ersten paar Kilometer ist der Kopf häufig noch voller Gedanken und die Aufmerksamkeit mal hier, mal dort. 

    Doch je mehr Strecke man zurückgelegt hat, desto ruhiger wird der Geist, desto mechanischer die Schritte, und schließlich macht sich eine besondere Art von Klarheit bemerkbar. Ich möchte es beschreiben als eine Stille, die beobachtet, während man in Bewegung ist. Fast so, als würde man sich gehend in Meditation befinden. Viele Trekking-Erfahrene beschreiben diesen Zustand als „Flow“.

    Natur erleben

    Für mich ist das Wandern daher eine Aktivität, die ich gerne alleine vollziehe, denn so scheint mir diese Erfahrung am intensivsten und schönsten. Gemeinsam Wandern kann auch angenehm sein, und auch das tue ich hin und wieder, doch wenn ich mich alleine aufmache, ist das Erleben tiefer, die Stille hörbarer, der Geist weniger abgelenkt.  

    Falls du Lust am Wandern verspürst, jedoch nicht alleine losgehen möchtest und keiner deiner Bekannten dein Hobby teilt, kann ich dir Wandervereine empfehlen. Der Deutsche Volkssportverband e.V. (DVV) hat zum Beispiel ein großes Angebot für regionale Wandertage, geführte Wanderungen usw. – dort wirst du bestimmt fündig.  

    Die Natur wirkt immer heilsam

    Ob nun Waldbaden, Wandern oder ein einfacher Spaziergang – es kommt immer ein bisschen darauf an, mit welcher Intention man an die jeweilige Betätigung herangeht, welcher Typ man ist und welchen Nutzen man vorrangig aus den Aktivitäten ziehen möchte.

    Und allzu oft lassen sich diese Aktivitäten auch gar nicht voneinander trennen. Irgendwie ja auch nachvollziehbar, denn schließlich ist der große gemeinsame Nenner das Naturerleben, das Sein inmitten von Grün, Leben, Ursprung und Frische. Und das wirkt immer heilsam, ganz egal in welcher Form. 🙂


    1. https://en.wikipedia.org/wiki/Phytoncide
      https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32906736
      ↩︎
    2. https://link.springer.com/article/10.1007/s12199-008-0068-3
      ↩︎
    3. https://dec.ny.gov/nature/forests-trees/immerse-yourself-for-better-health ↩︎

    Bildquellen: Kurt Bouda auf Pixabay, Harmony Lawrence auf Pixabay, Pexels auf Pixabay, Andreas Hoja auf Pixabay

  • Slow Food: Achtsames Essen

    Slow Food: Achtsames Essen

    Lies zu diesem Thema auch den Blogartikel „Slow Food: Das Kochen zelebrieren“

    Achtsames Essen fördert Zufriedenheit, Wertschätzung und innere Ruhe. Lasst uns einen Blick darauf werfen, wie wir den Akt der Nahrungsaufnahme bewusster und liebevoller gestalten können.

    Der Stress moderner Lebensstile führt dazu, dass wir unsere Beziehung zur Nahrung immer mehr verlieren. Gerichte bewusst zuzubereiten und aufzunehmen hilft, diese Verbindung wiederherzustellen und den Moment des Essens als ganzheitliches, vielleicht sogar sinnliches Erlebnis zu erfahren. 

    Achtsames Essen braucht Zeit

    Es mag nicht immer einfach und an vielen Tagen gar unmöglich sein, seine Nahrung ganz bewusst und ohne Hektik zuzubereiten. Denn wie ich schon im Artikel zum Thema Slow-Food-Kochen anmerkte: Wer hat schon Muße, nach einem langen Arbeitstag noch zwei Stunden in der Küche zu stehen?  

    Hier zeigt sich vielleicht auch recht deutlich, dass Slow Living ein ganzheitliches Konzept ist und einige Punkte erst dann in die Umsetzung gelangen können, wenn andere Bereiche des Lebens angeschaut und bearbeitet wurden. Vielleicht müssen wir uns erst einmal grundsätzliche Gedanken darüber gemacht haben, wie wir unsere Zeit bisher verbracht haben und wie wir sie im Sinne eines langsameren, achtsameren, reduzierten Lebens besser gestalten können, um in der Folge mehr Raum für gesunde Nahrung und eine gesunde Zubereitung zur Verfügung zu haben. Unterstützung bieten dir hier hoffentlich einige Aspekte aus den anderen Blogartikeln auf Leiser Leben.  

    Generell gilt: Wie auch immer die Zubereitung sich gestaltet – zumindest für den Akt der Nahrungsaufnahme, das Essen selbst, sollten wir uns, wann immer es irgend möglich ist, ausreichend Zeit nehmen. 

    Ein Experiment: Essen in Stille

    Allzu oft nehmen wir unsere Mahlzeit vor einem Bildschirm ein oder üben uns während des Essens gemeinsam mit anderen in Smalltalk. Das mag schön und einfach sein – und es hat sicherlich auch seinen Platz und seine Berechtigung. Wollen wir jedoch ein Wagnis eingehen und uns trauen, etwas Neues zu probieren, können wir zum Beispiel einmal schauen, wie es sich anfühlt, in Stille zu essen. 

    Alleine oder gemeinsam – macht einfach mal das Experiment, eure Nahrung in möglichst lautloser Atmosphäre und in Schweigen einzunehmen. Es muss ja nicht gleich zur täglichen Routine werden, aber traut euch einfach mal, diesen Versuch einzugehen und schaut, was in euch dabei vorgeht und vor allem, ob und inwiefern sich der Akt der Nahrungsaufnahme anders anfühlt. 

    in Stille essen

    Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass es durchaus einiges an Überwindung kosten kann, während des Essens in Stille zu verweilen, wobei ich mich nicht genau entscheiden kann, wann es schwieriger ist – wenn man alleine isst oder zu mehreren.

    Stille kann herausfordernd sein. Der Geist hat dann keine Ablenkung, und je untrainierter er ist, desto weniger gerne mag er solche Momente. 

    Allerdings ist es unbestreitbar so, dass das Essen sehr viel mehr wahrgenommen und genossen (geschmeckt, gefühlt, gesehen) werden kann, wenn man in Schweigen isst. In Klöstern wird dies übrigens häufig so praktiziert. 

    Ist euch die Praxis des In-Stille-Essens zu experimentell, mag es vielleicht lohnend erscheinen, während der Mahlzeiten zumindest Themen zu vermeiden, die allzu ernst sind und das Stresssystem aktivieren.  

    Die Sinne mit einbeziehen

    Achtsames Essen – das kann auch bedeuten, ganz bewusst alle Sinne einzubeziehen: den Duft der Speisen wahrzunehmen, die Texturen auf der Zunge zu spüren und die Farben der Zutaten zu bemerken. Diese Praktik hilft, die Beziehung zur Nahrung zu vertiefen. 

    achtsam essen - die Sinne trainieren

    Da ich leidenschaftlicher Teetrinker bin, weiß ich, dass man sich darin schulen kann, seine Sinne gezielt einzusetzen, so dass man mit der Zeit immer besser darin wird, verschiedene Geschmacksnuancen klar herauszufiltern. Das kann sogar richtig Freude machen! Genau so, als würde man einen guten Wein verkosten… 🙂

    Fürsorge und Dankbarkeit

    Nahrung ist übrigens oft mit Erinnerungen und Emotionen verbunden. Achtsames Essen schafft Raum, diese Verbindungen zu würdigen und das Essen nicht nur als Notwendigkeit, sondern als Akt der Fürsorge für sich selbst und andere zu betrachten. 

    Auch mit dem (gemeinsamen) Essen verbundene Rituale sind eine schöne Möglichkeit, das Bewusstsein für das zu schärfen, was man gerade tut, und vielleicht sogar mehr Dankbarkeit über das Vorhandensein der Nahrung an sich zum Entstehen zu bringen. Das Entzünden einer Kerze oder ein kurzes Innehalten vor der Nahrungsaufnahme seien hier als inspiratives Beispiel genannt. Vielleicht fallen euch ja noch andere schöne Dinge ein.  

    Ein buddhistisches Tischgebet

    Ich persönlich habe eine Affinität zum Buddhismus, und so empfinde ich zum Beispiel das Tischgebet, das mich der buddhistische Mönch Shi Miao Dao1 gelehrt hat, als große Bereicherung und Stütze, um innezuhalten, im gegenwärtigen Moment anzukommen und mich vor und während des Essens auf meine Grundsätze zu besinnen. Hier findest du das Tischgebet einmal auf Deutsch übersetzt (wir rezitieren es in der Regel auf Pali): 

    “In weiser Betrachtung will ich diese Speise zu mir nehmen, 
    nicht zum Spaß,  
    nicht wegen des guten Geschmacks, 
    nicht um dick zu werden,2
    nicht zur Verschönerung meines Körpers, 
    sondern einzig, um diesen Körper lebensfähig zu halten, 
    ohne dabei neue Begierden entstehen zu lassen oder mich zu überessen, 
    Auf diese Weise erhalte ich mich in tadelloser Weise und lebe ohne Not.” 3

    Diese Rezitation, die der Buddha vor zweieinhalbtausend Jahren bereits seinen Mönchen empfohlen hat, spricht sicherlich nicht jeden an, und um sie in der Tiefe zu erklären, wäre wohl ein separater Blogbeitrag notwendig. Doch sie soll hier auch mehr als Beispiel dienen, wie die achtsamkeitsfördernden Routinen rund um die Nahrungsaufnahme aussehen können.  

    Letztendlich ist auch Achtsames Essen – oder zumindest der Weg dorthin – ein Prozess; etwas, das Zeit braucht und das man wollen und an das man sich ein bisschen gewöhnen muss, damit es verinnerlicht werden kann.

    Glück und Wertschätzung

    Ich weiß noch, wie befremdlich ich es zu Beginn fand, vor dem Essen die obige Rezitation zu sprechen. Ich hatte keinen Bezug dazu und obendrein Sorge, dass das Essen kalt wird, wenn ich auch noch Zeit mit innerer Sammlung verbringe – ich dachte bei mir, „Dankbarkeit ist gut, aber jetzt möchte ich erst einmal essen, bevor es kalt wird, und nicht noch lange kontemplieren!“.
    Heute hingegen fühlt es sich für mich fast ungewohnt an, wenn ich beispielsweise irgendwo zu Gast bin und dort sofort angefangen wird zu Essen, ohne einen kleinen Moment lang innezuhalten. Ich vermisse es dann regelrecht, kurz in innerer Zentriertheit und Dankbarkeit zu verweilen.

    Essen wertschätzen

    Denn schließlich ist die Nahrung, die auf meinem Teller liegt, durch so viele arbeitende Hände gegangen, hat Naturressourcen und anderer Menschen Mühe und Zeit gekostet, und sie nährt und stärkt mich. Obendrein empfinde ich es immer wieder als sehr besonders und berührend, dass ich so viel Glück habe, keinen Hunger leiden zu müssen. Allzu viele Menschen auf dieser Welt erleben täglich das Gegenteil.

    So könnte man wohl fortfahren. Dennoch möchte ich hier schließen, denn im Grunde genommen ist alles Wesentliche vermittelt. Vielleicht habt ihr ja den einen oder anderen Impuls mitnehmen und euer Bewusstsein für achtsames Essen schärfen können – das würde mich sehr freuen! 🙂 Teilt, wenn ihr mögt, in der Kommentarspalte auch gerne eure Erfahrungen mit mir.

    ♥, Meike


    1. Quelle: Shi Miao Dao: ”Erkenntnis durch Meditation der Liebenden-Güte”, Tredition Verlag 2023, S. 330 ↩︎
    2. Dick zu sein war zu Zeiten des Buddha ein Zeichen von Wohlstand und ein Statussymbol. ↩︎
    3. Quelle: Theragatha V. 983 ↩︎

    Bildquellen: neciodesalida auf Pixabay, Fanny Acuña auf Pixabay, Bild Mariya Muschard auf Pixabay, congerdesign auf Pixabay

  • Earth Art: Naturmandalas legen

    Earth Art: Naturmandalas legen

    Naturmandalas sind kleine, temporäre Kunstwerke, die aus und in der Natur entstehen. Lies hier über diese wunderbare, meditative Beschäftigung und kreiere anschließend dein eigenes Mandala, wenn du magst. 🙂

    ***

    Mandalas sind in vielen spirituellen und kulturellen Traditionen ein Symbol für Ganzheit und Harmonie – bestimmt hast du sie schon einmal hier und da gesehen. 

    Ein Mandala symbolisiert etwas, das einen Mittelpunkt hat und von dem ausgehend sich Strukturen harmonisch entfalten. Naturmandalas sind demnach ebenfalls symmetrische Muster, die aus natürlichen Materialien wie Blättern, Steinen, Blüten, Samen oder Muscheln gelegt werden. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. 

    Eine Übung in absichtslosem Handeln

    Man mag sich die Frage stellen, wozu das gut sein soll, und sie ist allzu nachvollziehbar, ist doch das Erschaffen dieser kleinen Kunstwerke eine ganz und gar temporäre Sache. Ein Platzregen, eine kräftige Windböe – und alles ist dahin.

    Naturmandalas

    Jedoch liegt gerade darin der unglaublich große Reiz dieser wundervollen Beschäftigung: Es ist eine Übung in Geduld, in absichtslosem Handeln. Ein Naturmandala (häufig auch unter der Bezeichnung Earth Art oder Land Art zu finden) führt einem unweigerlich die Schönheit des jeweiligen Moments vor Augen – aber eben auch die Vergänglichkeit allen Seins. 

    Mit Naturmandalas den Geist beruhigen

    Wenn man also bereit ist, eben diese Vergänglichkeit zu zelebrieren und Zeit zu investieren, ohne einen dauerhaft sichtbaren Gewinn aus seinem Tun zu ziehen (für mich die schwierigste aller Aufgaben 😉 ), dann kann man beginnen, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen – und wird feststellen, dass das Legen eines solchen Mandalas ganz wunderbar dabei hilft, den Geist zu beruhigen und somit Achtsamkeit zu fördern.

    Earth Art

    Überdies stärkt es auf ganz zauberhafte Weise die Beziehung zu Mutter Erde. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es auch eine wunderbare Beschäftigung für Kinder: es unterstützt die Konzentrationsfähigkeit, stärkt das Bewusstsein für die Natur, fördert die Kreativität – und bringt die Kleinen hinaus an die frische Luft. 

    Die Materialien

    Die Auswahl der Materialien hängt von der Jahreszeit und dem Ort ab. Wähle am besten respektvoll nur das aus, was in der Natur schon gefallen oder leicht zu entnehmen ist. Hier ist ein bisschen Inspiration für dich: 

    • Frühling: Blumen, frisches Gras, heruntergefallene Blüten von Obstbäumen, etc. (Bitte sei gut zur Natur und pflücke keine Blüten von den Bäumen oder noch intakten Pflanzen – die Insekten benötigen den Nektar dringender als du dein Naturmandala! So braucht die Suche nach schönen Materialien vielleicht ein wenig mehr Zeit, ist dafür aber absolut umweltverträglich.) 
    • Sommer: Muscheln, Sand, farbenfrohe Blütenblätter, Gras, Steine. 
    • Herbst: Bunte Blätter, Eicheln, Kastanien, Hagebutten, Äste, Steine, Muscheln, Samen. 
    • Winter: Tannenzapfen, Äste, Moos, gefrorene Elemente wie Eiskristalle. 

    Die Gestaltung

    Der eigentliche Prozess der Gestaltung ist dann im Grunde genommen denkbar einfach: 

      • Bestimmung des Ortes: Ein ruhiger, flacher Platz, idealerweise in der Nähe der Fundstelle der Materialien. 
      • Design wählen: Beginne in der Mitte und arbeite dich nach außen vor, um die Symmetrie zu bewahren. 
      • Legen des Mandalas: Ordne die Materialien kreisförmig oder in Mustern deiner Wahl an. 

      Mandalas aus Naturmaterialien zu legen schenkt uns lauter wohltuende, heilsame Erfahrungen und passt perfekt in einen bewussten, entschleunigten und achtsamen Lebensstil. 

      Kreative Schaffensprozesse in der Natur sind für mich nicht nur ein kreativer Akt; vielmehr empfinde ich es als eine Form der Meditation. Sie erfordern ein bewusstes Wahrnehmen und Verweilen im Moment, und die regelmäßige Auseinandersetzung mit der natürlichen Welt hilft, ein inneres Gleichgewicht zu finden und gleichzeitig sein eigenes schöpferische Potenzial zu stärken. 

      Falls du also noch nie solch ein Muster in der Natur gelegt hast: Probiere es einfach aus und werde zum Earth-Art-Künstler – es macht unglaublich viel Freude. 🙂

       


      Bilder: Jan Temmel auf Pixabay, Stefan Schweihofer auf Pixabay, StarDiamant auf Pixabay

    1. Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

      Minimalismus, Slow Living und Co. – ein Überblick

      Es gibt eine Reihe von Lebensarten, die mit der Slow Living-Bewegung viel gemein haben. Hier findest du einen kurzen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co.

      ***

      Die wunderbare Lebensart des Slow Living, das „einfach ein bisschen langsamer und bewusster leben“, ist eng mit einigen anderen Lebensphilosophien verknüpft, die in unserer Gesellschaft ebenfalls immer mehr Zuspruch finden. Und jede dieser Bewegungen teilt ein gemeinsames Ziel: den Fokus von Quantität auf Qualität zu verschieben, von einem „Mehr“ zu „Weniger“.

      Die Bewegungen und Geisteshaltungen, die ich im Folgenden beschreiben möchte, fließen direkt in das Lebenskonzept des Slow Living ein, und anders herum ebenso. Es ist nun einmal schwer, all diese schönen Ansätze strikt voneinander zu trennen, und überdies halte ich das auch gar nicht für zielführend. Denn schließlich streben wir doch letztendlich alle das gleiche an. 🙂

      Minimalismus

      Da wäre zunächst einmal die Minimalismus-Bewegung zu nennen. Dieser Ansatz, der den meisten von euch wohl ein Begriff sein dürfte, betont den bewussten Verzicht auf Überflüssiges und hat in den letzten zehn Jahren einen echten Hype erfahren.

      Weniger statt mehr

      Weniger Besitz bedeutet nicht nur weniger Stress, sondern auch mehr Raum für Wesentliches, wie Beziehungen, Kreativität und Lebensfreude. Und ganz nebenbei verringert man noch seinen ökologischen Fußabdruck. 🙂

      Ein populäres Beispiel, das auch in den sozialen Medien hinreichend thematisiert wird, ist der Begriff „Capsule Wardrobes“. Er bedeutet so viel wie „reduzierte Kleiderschränke“ und meint das Aussortieren von Kleidung, die man eigentlich eh nie wirklich getragen hat oder einfach gerne weitergeben möchte, zum Beispiel für gute Zwecke. Auch Minimalismus-Challenges, die einen zeitlich begrenzten Verzicht auf Liebgewonnenes oder auch das bewusste Entrümpeln des eigenen Lebensraums fokussieren, sind häufig zu finden. Die machen übrigens richtig Freude – also wenn ihr mal über solch eine Challenge stolpert, macht mit! 🙂

      Achtsamkeit

      Die Praxis der Achtsamkeit, die ihren Ursprung in buddhistischen Traditionen hat, wurde in der westlichen Mainstream-Welt in vereinfachter, abgewandelter Form als Methode zur Stressbewältigung und Lebensoptimierung neu entdeckt. 1 Das, was wir Slow Living nennen, adaptiert quasi diesen „Grundpfeiler des bewussten Lebens“ und ist ohne ihn kaum denkbar.  

      Achtsamkeit

      Eine bewusste Wahrnehmung des Moments – sei es beim Essen, Arbeiten oder Spazierengehen – hilft, aus dem Kreislauf der ständigen Zerstreuung auszubrechen. Praktiken wie Meditation, QiGong, Yoga oder das bewusste Erleben von Routinen fördern diese Verbindung.  

      Übrigens: Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Achtsamkeitsübungen signifikant den wahrgenommenen Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern können. 

      Nachhaltigkeit

      Ein bewussteres, achtsameres Leben zu führen, bedeutet auch, sich mit den ökologischen Folgen des eigenen Handelns auseinanderzusetzen. Ob es um umweltfreundlichen Konsum, Ressourcenschonung oder die Vermeidung von Abfall geht – wir alle sind dazu aufgefordert, bewusster und verantwortungsvoller mit der Natur umzugehen. 

      Nachhaltigkeit

      Jemand, der sich einer nachhaltigen Lebensart verschrieben hat, wird auf diese Punkte in der Regel besonders viel Wert legen und kann dadurch nicht nur zur persönlichen Zufriedenheit beitragen, sondern auch zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für künftige Generationen. Als relativ bekanntes Beispiel seien hier die Zero Waste-Bewegung oder auch urbane Gemeinschaftsgärten genannt.  

      Viele Ansätze, ein Ziel

      Man könnte diesem kleinen Überblick über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Co. noch viele weitere Lebensphilosophien und -formen hinzufügen, und letztendlich greifen sie, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin alle ineinander.

      Und irgendwie ist das ja auch das Schöne daran: So unterschiedlich die Ansätze in ihrer Ausgestaltung auch sein mögen, letztendlich verfolgen sie alle das Ziel, dem Leben die Chance zu geben, in seiner ganzen Tiefe erfahrbar zu werden und die Welt zu einem gesünderen Ort zu machen – ob nun auf persönlich-spiritueller oder ökologischer Ebene. ♥


      Beitragsbild von Gerd Altmann auf Pixabay

      Bild „Minimalismus“ von Dee auf Pixabay

      Bild „Achtsamkeit“ von Richard Duijnstee auf Pixabay

      Bild „Nachhaltigkeit“ von Annette auf Pixabay

      1. Oftmals wird von ernsthaft praktizierenden Buddhisten bzw. spirituell interessierten Menschen bemängelt, dass der Begriff der Achtsamkeit zu häufig unvollständig oder verwässert dargestellt wird und dass der Kern dessen, worum es bei Achtsamkeit eigentlich geht, nicht mehr wirklich berührt wird. Auch ich sehe das ähnlich. Nichts desto trotz erwähne ich ihn hier, ohne ihn in der Tiefe auszuführen. Das wäre vielleicht mal ein Thema für einen anderen, etwas längeren Blogbeitrag. 🙂 ↩︎
    2. Fantasiereise: Ein Geschenk für dich!

      Fantasiereise: Ein Geschenk für dich!

      Ich möchte dir etwas schenken. Lass uns gemeinsam eine kleine Reise in die Imagination unternehmen und verwende das Skript für diese Fantasiereise auf deiner Webseite, deinem YouTube-Kanal oder als Podcast.

      ***

      Hast du schon einmal von Fantasiereisen (häufig auch Traumreisen genannt) gehört? Bestimmt. Und wenn nicht, wird es höchste Zeit, denn diese kleinen Ausflüge in die Imagination sind wunderbare Möglichkeiten, innere Ruhe zu kultivieren. Insbesondere nach geschäftigen oder gar stressigen Zeiten lässt sich solch eine Traumreise gut anwenden, um wieder in einen Zustand größerer Ausgeglichenheit zu gelangen. Darüber hinaus macht diese Entspannungsmethode einfach Freude und es ist, wenn man so will, eine wunderbare „Vorstufe der klassischen Meditation“.

      Die folgende von mir verfasste Fantasiereise „Ozean der Liebe“ nimmt dich mit auf einen Ausflug an den Strand. Du erlebst die Weite des Meeres, golden schimmerndes Wasser und sanfte Wellen der Entspannung und Regeneration.

      Kopiere das untenstehende Skript zu dieser Imaginationsreise gerne, um es für deine Entspannungskurse, deine Webseite, deinen Podcast oder ein Youtube-Video zu verwenden:

      Fantasiereise “Ozean der Liebe”

      Anmerkung: Ich verzichte in diesem Skript ganz bewusst darauf, Sprechpausen aufzuführen, weil ich glaube, dass diese am besten nach eigenem Gefühl eingesetzt werden sollten. Schau einfach, wie es für dich und deine Klienten bzw. für die vorherrschende Stimmung und Situation am besten ist. Wichtig ist nur, nicht gänzlich auf sie zu verzichten, denn du solltest den Teilnehmern ausreichend Zeit geben, deine Anleitungen umzusetzen. Sprechpausen sind also notwendig, um zunächst in die Ruhe zu kommen und im weiteren Verlauf die jeweiligen Bilder auch imaginieren zu können.  

      1. Einleitung: In die Ruhe finden

      Setze oder lege dich in eine entspannte und bequeme Position – ganz so, wie es für dich am angenehmsten ist.  

      Atme einige Male ganz entspannt ein und wieder aus. 

      Mit dem nächsten Einatmen schließe deine Augen 

      und mit dem nächsten Ausatmen lass dich einfach in den gegenwärtigen Moment sinken.  

      Wiederhole dies zwei- bis dreimal: mit jedem Ausatmen sinkst du tiefer ins Hier und Jetzt. 

      Nun richte deine Aufmerksamkeit langsam nach innen. 

      Atme ruhig und ohne Anstrengung. 

      Fühle deinen Atem, wie er kommt, wie er geht…ganz von alleine, ganz natürlich. 

      Nimm wahr, wie dein Atem durch die Nase in deinen Körper fließt 

      und sanft wieder ausströmt. 

      Nimm es einfach nur wahr. 

      Jedes Einatmen schenkt dir frische Energie, die jede Zelle berührt. 

      Leicht und mühelos fließt die frische Energie durch deinen Körper. 

      Lass es einfach geschehen… 

      Auch dein Ausatmen geschieht ganz natürlich.  

      Jedes Ausatmen schenkt dir sanfte Entspannung. 

      Einatmen und Ausatmen – beides geschieht mühelos, sanft und leicht. 

      Spüre, wie dein Atem dir Stille und Frieden schenken möchte. 

      Lass es einfach geschehen… 

      Wenn du magst, spüre einmal in deine Füße und deine Waden.

      Versuche wahrzunehmen, wie die frische, sanfte Energie dorthin strömt und sich sammelt.

      Vielleicht kannst du die angenehme Ruhe dort fühlen. 

      Ganz allmählich fließt diese angenehme Energie in deine Oberschenkel und deinen Bauch

      – warm, harmonisierend und leicht. 

      Dein Bauch ist dankbar für die Entspannung, die du ihm schenkst. 

      Lass die Energie weiterfließen in deinen Oberkörper, die Schultern, die Arme 

      und schließlich über deinen Nacken in den Kopf. 

      Vielleicht kannst du wahrnehmen, wie die frische, ruhige und angenehme Energie

      deine Gesichtszüge ganz weich werden lässt. 

      Spüre der Entspannung in deinem Körper nach,

      fühle die wohlige, sanfte Entspannung, die dich durchfließt. 

      2. Imagination

      Und nun, in diesem wunderbaren Zustand sanfter Entspannung, möchte ich dich einladen, eine kleine Reise zu unternehmen.  

      Du begibst dich auf einen Ausflug zu einem ganz besonderen Ort: dem Ozean der Liebe. 

      Es ist ein angenehmer, sonniger Sommermorgen.

      Die Sonne wärmt dich und wirft ein weiches, warmes Licht auf dein Gesicht.

      Du gehst auf die mit Strandgras bewachsenen Dünenhügel zu.

      Hinter ihnen liegt das blaue Meer mit seinem weiten, weißen Sandstrand.  

      Je näher du dem Ozean kommst, desto leichter kannst du das sanfte Rauschen der Brandung hören.

      Leise erklingen die unverwechselbaren Rufe der weißen Möwen, die ihre Kreise über dem Wasser ziehen.  

      Das Meer: man kann es bereits riechen.

      Fühle in deine Herzgegend – vielleicht kannst du schon eine leise Vorfreude auf das spüren, was sich hinter den Dünenhügeln offenbaren möchte. 

      Schließlich erreichst du die Hügel, auf denen das Gras sich geschmeidig im warmen Sommerwind hin- und herbewegt.

      Du gehst zum höchsten Punkt des Hügels. Nun ist der Blick frei: vor dir liegt dieser ganz besondere Ozean – der Ozean der Liebe.

      Von ihm geht eine ganz besondere, wundersame Energie aus, sie ist anziehend und liebevoll.

      Hier ist ein Ort des Angenommenseins, des Wohlfühlens.

      Einen Augenblick lang bleibst du stehen und genießt den Ausblick: große Weite, weißer Sand…

      Das kräftige Blau des Meeres scheint am Horizont mit dem Blau des Himmels zu verschmelzen.

      Einige strahlend weiße Wolken ziehen gemächlich ihre Bahnen.

      Der frische Geruch des Meeres ist nun deutlich wahrnehmbar.  

      So früh am Tage hast du den Strand ganz für dich alleine. Dieser ganz besondere Moment an diesem ganz besonderen Ort, dem Ozean der Liebe, gehört nur dir allein.  

      Es ist, als wärst du einem lang ersehnten Ruf gefolgt.

      Als solltest du genau jetzt hier sein, um an diesem Ort des Wohlfühlens ein Geschenk zu erhalten, das nur für dich bestimmt ist. 

      Du gehst langsam weiter in Richtung Meer.

      Am Fuße der Dünenhügel lässt du deine Alltagskleidung zurück.

      Mit jedem Kleidungsstück, das du ablegst, legst du auch die Schwere des Alltags ab – ganz so als würdest du dich einer Hülle entledigen.

      Auch deine Schuhe lässt du dort zurück, um barfuß weiterzulaufen.

      Der Sand hat sich bereits von den Sonnenstrahlen erwärmt – er fühlt sich angenehm an und massiert bei jedem Schritt leicht deine Fußsohlen. 

      Ganz frei und leicht erreichst du nun das Wasser.

      Die ans Ufer strebenden Wellen sind voller Leichtigkeit, voller Leben.

      Behutsam, ganz gleichmäßig, umspielen sie deine Füße.

      Wie warm und wohltuend das Wasser ist!

      Du gönnst dir einen Augenblick, um den Moment zu genießen:

      Der sanfte Wind, die warmen Sonnenstrahlen, das wohltemperierte Wasser,

      das Blau des Meeres und das des Himmels, die weißen Wolken…  

      Der Ozean der Liebe lädt dich ein, in ihn einzutauchen. Diese Einladung wirkt wie ein zärtliches Rufen, hier, an diesem Ort der Erfüllung, der Erholung.

      Und etwas Wundersames geschieht:

      Auf einmal scheint das Meer wunderschön golden zu schimmern.

      Wenn du magst, folge dem Ruf des Ozeans.

      Mit jedem Schritt, den du weiter ins Meer gehst, kannst du spüren, wie sehr es dich trägt und hält.

      Fühle, wie deine Beine getragen werden, dann dein Bauch, deine Arme.

      Glasklares und zugleich golden schimmerndes Wasser umgibt dich,

      während du sicher auf dem weichen Sand des Meeresbodens stehst.  

      Dies ist wahrlich ein wundersamer Ort, denn das Wasser wird nicht tiefer.

      Nur gerade so tief, dass es dich bis zu deinem Oberkörper sanft umschließt,

      du aber immer sicheren Boden unter den Füßen hast.

      Weich wiegen dich die sanften Wellen hin und her, während sie dich stets halten.  

      Hier kann alles von dir abfallen…  

      Wenn du magst, lehne dich nun zurück, so dass du mit dem Rücken auf der Wasseroberfläche schwimmst und dein Blick auf das weite Blau des Himmels fallen kann.

      Lass’ dich einfach tragen, im sanften Schaukeln der Wellen aus frischer Energie… 

      Lass dich einfach tragen… 

      Diese frische, vitale Energie des Wassers möchte sich dir schenken, dich durchdringen, dich erneuern und harmonisieren.  

      Nimm ein Bad in dieser sanften, reinen und bedingungslosen Liebe, die hier fließt…

      …hier, wo du dich angenommen und geborgen fühlen kannst.

      Du bist umgeben und gehalten vom golden schimmernden Ozean der Liebe.  

      Lass’ dich treiben in Liebe, in wohlig warmem Schutz und Wohlgefühl.

      Es umfließt dich so zart, behutsam und gleichzeitig kraftvoll.  

      Seligkeit.

      Gehalten sein.

      Getragen sein.

      Wohlgefühl.

      Angenommensein.

      Liebe, wie ein Band zwischen dir und etwas Größerem.

      Liebe, aus deinem Innersten und gleichzeitig von einem fernen Ort ausströmend.

      Für dich. Nur für dich.

      Während du noch ganz entspannt und sicher auf den erfrischend-seichten Wellen treibst,

      bemerkst du, dass sie dich behutsam zurück an den Strand geführt haben.  

      Deine Füße berühren wie von selbst wieder den weichen, weißen Sand des Meeresbodens

      und du weißt, dass es nun an der Zeit ist, sich von diesem ganz besonderen Ort zu verabschieden – jedoch nicht ohne etwas mitzunehmen, denn der Ozean hat dir etwas geschenkt.

      In deinem Herzen kannst du es spüren:

      Leichtigkeit, Zuversicht und ein zartes Pflänzchen neu aufkeimender Ruhe und Gelassenheit.  

      Innerlich noch immer getragen von diesen Geschenken, gehst du zum Fuße der Dünenhügel zurück.

      Leicht und erfrischt schlüpfst du wieder in deine Kleidung hinein und gehst langsam den Hügel hinauf. 

      Dort angekommen, drehst dich noch einmal um:

      Der golden schimmernde Ozean wandelt sich wieder in ein kräftig-blaues Meer, das sich am Horizont mit dem Blau des Himmels zu verbinden scheint.

      Davor liegt der weite Sandstrand und in der Ferne ziehen ein paar Wolken vorbei,

      umspielt von den weißen Möwen und ihren charakteristischen Rufen… 

      Nur für dich bestimmt ist dieses Geschenk, das du nun im Herzen trägst, wo auch immer du hingehst.  

      3. Zurückkehren in den gegenwärtigen Moment

      Und so reich beschenkt, lade ich dich nun ein, langsam wieder zurückzukehren. 

      Nimm ein paar vitalisierende Atemzüge – gerade so tief, wie es sich gut für dich anfühlt. 

      Sicher getragen, leicht und voller frischer Energie, beginnst du nun in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukommen.  

      Atme gelassen und natürlich.

      Bewege deine Arme und Beine ein wenig, drehe deinen Kopf auf die Seite,

      und wenn du möchtest, räkele und strecke dich. 

      Nun öffne langsam deine Augen. 

      Verweile noch einen Augenblick und spüre dem wunderbaren Geschenk nach, das du heute erhalten hast. 

      Wenn du magst, trage die Leichtigkeit, die Zuversicht und die Liebe, die du in der heutigen Meditation erfahren durftest, mit dir hinaus in das Leben und die Welt. 

      Ich wünsche dir viel Freude beim Verwenden dieses Traumreise-Skriptes. Schreib‘ mir gerne eine kurze Nachricht mit dem Link zu deinem Video oder Podcast – ich würde mich freuen, mir dein kreatives Werk anzuhören! 🙂

      ♥, Meike

    3. Slow Food: das Kochen zelebrieren

      Slow Food: das Kochen zelebrieren

      Slow Food macht Freude! 🙂 Lasst uns das Bewusstsein dafür schärfen, wie wir die Zubereitung von Mahlzeiten nutzen können, um mehr Entschleunigung in den Alltag zu bringen.

      Kochen ist ein fundamentaler Bestandteil des Alltags; etwas, auf das wir in der Summe sogar einen verhältnismäßig großen Teil unserer Lebenszeit verwenden.

      Allzu oft passiert es jedoch in einer gewissen Eile und formt sich zu einem notwenigen To Do, zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag. Das ist weder verwunderlich noch verwerflich; schließlich ist der Alltag der meisten Menschen selten so entspannt, dass sie am Ende noch die nötige Energie besitzen, voller Elan in die Küche zu eilen und freudig eine mehr oder minder aufwendige Mahlzeit zuzubereiten.

      Genau hier möchte ich mit dem Slow-Food-Gedanken einsetzen, in der Hoffnung, dir in diesem Blogartikel einige Anregungen geben zu können, so dass du vielleicht künftig den Spirit des Slow Living leichter auch auf das Kochen und die Nahrungszubereitung im Allgemeinen übertragen kannst.

      Slow Food – was ist das eigentlich?

      Wenn du ein wenig zur Entstehungsgeschichte dieser Bewegung erfahren möchtest, schau gerne in diesen Blogartikel. Dort erzähle ich von den Hintergründen.

      Slow Food bedeutet

      • achtsame Nahrungszubereitung
      • sich Zeit lassen
      • einfach und gleichzeitig gesund kochen
      • mehr Leichtigkeit ins Tun bringen
      • entspannende Faktoren nutzen
      • ethische Verantwortung wahrnehmen

      Slow Food lädt dazu ein, den bewussten Genuss von Nahrung mit ethischen Überlegungen zu verbinden; der Respekt vor der Natur und den Produzenten steht hierbei im Vordergrund.

      So bemühen sich viele Slow-Food-Begeisterte, möglichst nachhaltig zu konsumieren. Saisonale und lokal produzierte Lebensmittel werden präferiert – dies ist oftmals gesünder, reduziert den ökologischen Fußabdruck und stärkt nicht nur lokale Gemeinschaften, sondern auch das persönliche Bewusstsein für die Nahrung selbst. 

      Bei dem Spirit des Slow Food geht es weniger um eine völlige Neustrukturierung gewohnter zeitlicher Grundstrukturen als vielmehr darum, das Bewusstsein für den Moment und die Nahrungsmittel selbst zu schärfen.

      Einfach und gesund

      Zwar koche und backe ich grundsätzlich gerne, doch wenn ich eines nicht von mir behaupten kann, dann, dass ich jemand bin, der aufwendige Gerichte und lange Zutatenlisten liebt. Ich mag es am liebsten ganz simpel und gleichzeitig gesund. Und genau das ist für mich das Beste am Konzept des Slow Food: hier müssen sich Rezepte und Gerichte keineswegs aufwendig gestalten – im Gegenteil. Einfach, regional und nährstoffreich darf es sein. 

      italienische Küche

      Als Beispiel sei hier die italienische „Cucina Povera“, wörtlich übersetzt als „arme Küche“, erwähnt. Sie hat sich zu einer Art Vorbild für den Slow-Food-Gedanken entwickelt, da sie die Essenz von Einfachheit und Kreativität in der kulinarischen Tradition verkörpert. Inzwischen erfährt sie weltweit Beliebtheit. 

      Ursprünglich von ländlichen Gemeinschaften entwickelt, steht die Cucina Povera für die Kunst, mit begrenzten Zutaten nahrhafte und schmackhafte Gerichte zu zaubern. Dabei werden lokale und saisonale Produkte verwendet, was nicht nur die Authentizität der Gerichte bewahrt, sondern auch deren Nachhaltigkeit fördert. Für die Slow-Food-Bewegung dient die Cucina Povera vor allem deshalb als Vorbild, weil sie die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Kultur respektiert. Sie zeigt, wie man aus wenigen Zutaten gesunde Gerichte mit Geschmack schaffen kann.1

      Apropos Italien…

      Um vielleicht die Lust am Kochen überhaupt erst einmal zu wecken, kann es ein schöner Anreiz sein, sich internationale Kochtraditionen anzuschauen und Gerichte mit ungewöhnlichen, aber in Bezug auf die Menge überschaubaren Zutaten auszuprobieren. Italienisch, indisch oder typisch skandinavisch – die Vielfalt ist groß und man lernt neue Produkte, Kombinationen und Arten der Zubereitung kennen.  

      Ich persönlich liebe die indische Küche, die oftmals eher einfach ist. Sicher, man braucht ein paar Grundzutaten, allem voran Gewürze, aber hat man diese erst einmal vorrätig, kann man ziemlich schnell kreativ werden. Eines meiner schnellen Lieblingsgerichte aus der indischen Küche ist zum Beispiel “Dhal”. Es besteht aus roten Linsen, die sehr gesund sind und dessen Kochzeit nur ungefähr zehn Minuten beträgt. Dazu wird traditionell dünnes Fladenbrot oder Reis gereicht. Hier findest du ein gutes Rezept für Dhal.

      Für viele spielt beim Slow Food auch die Wahrung von kulturellem Erbe und Traditionen eine Rolle. Alte Anbaumethoden und Rezepte der Großmutter wieder neu zu entdecken oder sich mit der Nahrung unserer Ahnen zu befassen, kann unglaublich freudvoll sein und dazu motivieren, der Nahrung und ihrer Zubereitung wieder mehr Wert beizumessen. 

      Geselligkeit vs. Stille

      Auch das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten kann ein Anreiz und Motor für mehr Leichtigkeit sein. Sich mit Freunden zum Kochen zu treffen, ist für viele ein Highlight, und in der Regel geht es dann auch weniger um das Ergebnis als um den Weg dorthin. Der Austausch bringt Kurzweil, das Zusammensein tut gut – und am Ende hat man auch noch etwas Leckeres gezaubert.

      Ebenso gibt es diejenigen, die das Zubereiten von Mahlzeiten in Stille und Einsamkeit bevorzugen, weil sie auf diese Weise, fast wie bei einer Meditation oder dem Vollziehen eines Rituals, Stress abbauen und den Alltag entschleunigen können. 

      Tatsächlich gehöre ich zu der zweiten Kategorie: ich koche nicht gerne in Gemeinschaft und ziehe aus dem Verrichten einfacher Tätigkeiten in Schweigen und Achtsamkeit sehr viel Kraft.

      Slow Food: Achtsam Kochen

      Vielleicht habt ihr schon einmal eines dieser Koch-Videos auf YouTube, etc. gesehen, in denen keine Musik im Hintergrund läuft und das Mikro ganz dicht an die zu verarbeitenden Lebensmittel gelegt wird, wodurch zum Beispiel das Schneiden einer Zwiebel viel lauter erscheint als es tatsächlich ist. Somit rückt dieses Geräusch, das normalerweise eher ein Beiprodukt ist, ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

      So ähnlich kann man den Wahrnehmungszustand beschreiben, wenn ich in Stille und mit sehr klarem Geist einfache Tätigkeiten verrichte. Dinge (z.B. Geräusche), die im normalen Alltagstrott kaum wahrgenommen werden, bekommen den Raum, bewusst erfahren zu werden.

      Kinder mit einbeziehen

      Ebenso kann man Kinder in den Akt der Nahrungszubereitung einbinden – und dadurch selbst Entschleunigung erfahren. Die Kinder am Schaffensprozess in der Küche teilhaben zu lassen ist außerdem eine ganz wunderbare Möglichkeit, ihnen eine gewisse Wertschätzung für Lebensmittel, grundlegende Kochfähigkeiten, Selbstvertrauen und vor allem Spaß an der Zubereitung zu vermitteln. 

      Slow Food: Kochen mit Kindern

      Durch spielerische Elemente wie zum Beispiel bunte Utensilien oder thematische Rezepte (Pizza in Tierform oder Obstspieße mit Regenbogenfarben, etc.) oder das Integrieren eines Geschmackstest (neue Zutaten schmecken und beschreiben) bringst du Leichtigkeit in den Prozess der Zubereitung – und das ganz bestimmt nicht nur für die Kleinen.  

      Kinder fühlen sich übrigens stärker eingebunden, wenn sie mitentscheiden dürfen: 

      • Lasse die Kleinen einige Gerichte auswählen oder Zutaten im Supermarkt mit aussuchen. 
      • Plant gemeinsam ein „Familienmenü“, bei dem jeder seinen Lieblingsgang einbringt. 
      • Besucht gemeinsam einen Bauernmarkt, um lokale Lebensmittel kennenzulernen – eine wunderbare Möglichkeit für Entschleunigung! 

      Zeitfenster nutzen

      Auch wenn man sich noch so sehr darum bemüht, wird sich achtsames Kochen nicht immer umsetzen lassen. Wie eingangs bereits erwähnt, ist man manchmal einfach zu müde, oder es fehlt schlichtweg die Zeit. Und das ist ja auch ganz normal – das Leben verläuft nicht linear.

      Was hier helfen kann ist, Tage zu nutzen, an denen der Raum zum entspannten Kochen gegeben ist, und dann gleich größere Mengen zuzubereiten, von denen man anschließend einen Teil einfriert. Das hat sich in unserer Küche zumindest als ein echter Entschleunigungsfaktor erwiesen: Wenn mal wenig Zeit da ist, hat man immer etwas vorrätig – gesunde und mit Liebe gekochte Fertiggerichte sozusagen. 🙂

      Die wichtigste Zutat: Liebe

      Apropos Liebe… Überhaupt spielt das Maß an Liebe, Hingabe und Ruhe, die wir bei der Zubereitung an den Tag legen, keine unwichtige Rolle. Ich glaube unbedingt, dass Nahrung, die mit Liebe und in Gelassenheit kreiert wird, sehr viel bekömmlicher ist als solche, die in Eile, Hektik oder ohne jeden persönlichen Bezug (Imbiss, etc.) zubereitet wurde.

      Kochen mit Liebe

      Letztendlich ist es immer wieder die innere Einstellung, die entscheidend ist. Es braucht den unbedingten Willen, die Benefits einer entschleunigten Lebensweise zu erfahren und eine bewusste Entscheidung für Achtsamkeit, Langsamkeit, Aufmerksamkeit und Einfachheit – eben für das ganz persönliche Wohlergehen.

      Das hat auch mit Wert, Selbstwahrnehmung und einer liebevollen Grundeinstellung zu tun: „Ich bin es mir wert, meinen Speisen die Zutat der Liebe hinzuzufügen“ – das halte ich für einen gut formulierten Grundsatz. Meiner Empfindung nach lohnt es sich unbedingt, sich aufzumachen und herauszufinden, wie wir es schaffen, wirklich und zu hundert Prozent an diese Überzeugung zu glauben und sie zu leben.

      Ein Prozess, der Zeit braucht

      Das Zubereiten von Mahlzeiten kann also tatsächlich zu einem Akt der Entspannung heranreifen, wenn wir willens sind, zu lernen, wie man diese Alltagstätigkeit entschleunigt. Das ist, wie fast alles, ein Prozess, der ein wenig Zeit und Übung braucht.

      Menschen, die schon immer Freude am Kochen hatten, wird es sicherlich leichter fallen als jenen, die Nahrung eher deshalb zubereiten, weil dessen Aufnahme eben zwingend notwendig ist. Wir sind alle verschieden, und wohl niemand von denen, die zuvor nicht mindestens eine Affinität verspürt haben, wird zum Slow-Food-Meisterkoch, nur weil es Teil der Slow-Living-Bewegung ist – und das ist auch vollkommen in Ordnung.

      Je mehr man sich insgesamt mit einer entschleunigten Lebensweise und gesunder bzw. nachhaltiger Ernährung beschäftigt, desto mehr bekommt man ohnehin ein Gespür dafür, was “Fast” ist und was “Slow” – und vor allem, was uns als Individuum gut tut.

      Slow Food berührt die Seele

      Wie alle Blogbeiträge dient auch dieser in erster Linie dazu, das Bewusstsein schärfen. – In diesem eben Fall dafür, dass auch das Thema Nahrungszubereitung und -genuss ein Bereich ist, in dem man ein langsameres, achtsameres und somit freudvolleres Leben realisieren kann. 

      Slow Food berührt die Seele, es hat Seele – im Gegensatz zu Fast Food.

      Ich wünsche dir viel Freude bei deiner Slow-Food-Entdeckungsreise! 🙂


      1. Hier findest du einige schöne Gerichte zur Cucina Povera: https://authentisch-italienisch-kochen.de/sw-cucina-povera/ ↩︎

    4. Slow Living als Alternative und Gegenpol

      Slow Living als Alternative und Gegenpol

      Die Lebensweise des Slow Living kann eine großartige Alternative zu dem hektischen und überladenen Leben darstellen, das heutzutage allzu oft der Standard ist. Hier findest du ein paar Gedanken dazu.

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      Unsere Welt ist von Beschleunigung geprägt: Technologie, Globalisierung und ein ständiges „Mehr“ an Anforderungen führen dazu, dass immer mehr Menschen aller Altersschichten sich gestresst, ausgelaugt und in gewisser Weise entfremdet fühlen.

      Das breite Feld des Slow Living bietet hier eine meines Erachtens zutiefst notwendige Gegenbewegung, quasi ein Angebot, von dem man mitnehmen kann, so viel man mag. Es geht schließlich nicht um das starre Befolgen akribisch aufgestellter Regeln, sondern vielmehr darum, aus differenzierten, zu einem Überbegriff und einer Bewegung kumulierten Ansätzen das herauszusuchen, was für einen selbst funktioniert; das, mit dem man sich wohlfühlt und von dem man weiß, dass es in das individuelle Alltagsgeschehen integrierbar ist. 

      Leiser zu leben, entschleunigter zu leben, soll in erster Linie Freude und ein Plus an Wohlgefühl bereiten. Nur so kann es die Pfade freilegen, die zu gehen es notwendig ist, um zu einer gelasseneren Grundhaltung zu gelangen. 

      Technologie als Stressfaktor

      Ständige Erreichbarkeit durch Smartphones und die Erwartung, rund um die Uhr produktiv zu sein, sind zum einen relativ neue Erscheinungen, an die wir als Kollektiv erst bedingt gewöhnt sind, und zum anderen setzen sie Menschen schlichtweg unter Druck. Dieser digitale Overload führt nicht nur zu Konzentrationsproblemen, sondern häufig auch zu einem Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. 

      Wir können uns daher dazu entschließen, bewusste Offline-Zeiten einzuführen und vielleicht sogar unsere eigene Nutzung von Technologie einmal zu hinterfragen. Generell bin ich ein großer Freund von technischen Weiterentwicklungen, die das Leben leichter und angenehmer machen, jedoch muss meiner Meinung nach eben auch der bereits erwähnte Ausgleich gegeben sein, und mit ihm die Erkenntnis darüber, was uns in unserem Alltag nützt und was vielleicht den digitalen Overload begünstigt, weil es nicht wirklich notwendig ist.  

      Gesellschaftlicher Wandel

      Burnout, Depressionen und andere stressbedingte Erkrankungen nehmen weltweit zu. Immer mehr Menschen spüren, dass sie mit der Flut an Informationen und der Schnelligkeit, mit der das Leben vonstatten geht, nicht mehr mithalten können und suchen nach Alternativen, um wieder mehr Kontrolle über ihre Zeit und ihre Energie zu gewinnen. Sie sehen die Notwendigkeit, den Fokus auf persönliche Werte, Beziehungen und Lebensfreude zu legen, anstatt sich von äußeren Erwartungen treiben zu lassen. 

      Hier bietet sich das Lebensmodell des Slow Living an, um in dem stabilisierenden Rahmen eines klar definierten Begriffes erste Schritte hin zu einer neuen Art von Einfachheit und Klarheit zu unternehmen. Vielleicht findet man sogar Gleichgesinnte; vielen hilft es schließlich sehr, ein Stück des Weges zusammen mit Menschen zu gehen, die die gleiche Philosophie leben.

      Verzicht als Gewinn

      Die massiven Probleme, mit denen unsere Welt zu kämpfen hat, beispielsweise die weltweite Ressourcenknappheit oder die Ausbeutung der Erde sowie einiger Völker, machen deutlich, dass unser Lebensstil alles andere als nachhaltig ist.  

      Slow Living bietet eine sofort lebbare Vision, in der weniger Konsum nicht als Verzicht, sondern als Gewinn erfahren wird. Indem wir weniger kaufen, gebraucht kaufen, Sharing betreiben, lokal konsumieren und langlebige Produkte bevorzugen, können wir nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch eine neue und intensivere Beziehung zur Natur aufbauen. All das ist freilich doppelt lohnend: Wir tun nicht nur uns selbst, sondern auch Mutter Erde und unserer gesamten Menschheitsfamilie etwas Gutes. 

      Jetzt und Hier: Es braucht keine Wartezeit

      Das Schönste ist für mich an Lebensphilosophien wie Slow Living ist, dass es keine Wartezeit braucht. Wir können heute starten. Ohne Investition, ohne Vorbereitung, ohne einen allzu genauen Plan, ohne vorausgehende Veränderungen. Einfach durch unsere Entscheidung. Und dann, im weiteren Verlauf, haben wir immer noch die Möglichkeit, neue Informationen einzuholen, Teilbereiche zu optimieren oder uns alles noch einmal ganz anders zu überlegen und neu zu starten.

      Genau das macht Slow Living für mich so attraktiv. Ich bleibe frei in der Entscheidung und kann ganz viel für mich und meine Umwelt tun. Wenn ich gerade einmal nicht so viel Zeit oder Kapazität habe, auch mal in Nanoschritten. Und wenn dann mal wieder ein wenig mehr geht, auch mal in ganz großen. 🙂


      Beitragsbild von Joe auf Pixabay