Slow Food macht Freude! 🙂 Lasst uns das Bewusstsein dafür schärfen, wie wir die Zubereitung von Mahlzeiten nutzen können, um mehr Entschleunigung in den Alltag zu bringen.
Lies zu diesem Thema auch den Blogartikel „Slow Food: achtsames Essen“
Kochen ist ein fundamentaler Bestandteil des Alltags; etwas, auf das wir in der Summe sogar einen verhältnismäßig großen Teil unserer Lebenszeit verwenden.
Allzu oft passiert es jedoch in einer gewissen Eile und formt sich zu einem notwenigen To Do, zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag. Das ist weder verwunderlich noch verwerflich; schließlich ist der Alltag der meisten Menschen selten so entspannt, dass sie am Ende noch die nötige Energie besitzen, voller Elan in die Küche zu eilen und freudig eine mehr oder minder aufwendige Mahlzeit zuzubereiten.
Genau hier möchte ich mit dem Slow-Food-Gedanken einsetzen, in der Hoffnung, dir in diesem Blogartikel einige Anregungen geben zu können, so dass du vielleicht künftig den Spirit des Slow Living leichter auch auf das Kochen und die Nahrungszubereitung im Allgemeinen übertragen kannst.
Slow Food – was ist das eigentlich?
Wenn du ein wenig zur Entstehungsgeschichte dieser Bewegung erfahren möchtest, schau gerne in diesen Blogartikel. Dort erzähle ich von den Hintergründen.
Slow Food bedeutet
- achtsame Nahrungszubereitung
- sich Zeit lassen
- einfach und gleichzeitig gesund kochen
- mehr Leichtigkeit ins Tun bringen
- entspannende Faktoren nutzen
- ethische Verantwortung wahrnehmen
Slow Food lädt dazu ein, den bewussten Genuss von Nahrung mit ethischen Überlegungen zu verbinden; der Respekt vor der Natur und den Produzenten steht hierbei im Vordergrund.
So bemühen sich viele Slow-Food-Begeisterte, möglichst nachhaltig zu konsumieren. Saisonale und lokal produzierte Lebensmittel werden präferiert – dies ist oftmals gesünder, reduziert den ökologischen Fußabdruck und stärkt nicht nur lokale Gemeinschaften, sondern auch das persönliche Bewusstsein für die Nahrung selbst.
Bei dem Spirit des Slow Food geht es weniger um eine völlige Neustrukturierung gewohnter zeitlicher Grundstrukturen als vielmehr darum, das Bewusstsein für den Moment und die Nahrungsmittel selbst zu schärfen.
Einfach und gesund
Zwar koche und backe ich grundsätzlich gerne, doch wenn ich eines nicht von mir behaupten kann, dann, dass ich jemand bin, der aufwendige Gerichte und lange Zutatenlisten liebt. Ich mag es am liebsten ganz simpel und gleichzeitig gesund. Und genau das ist für mich das Beste am Konzept des Slow Food: hier müssen sich Rezepte und Gerichte keineswegs aufwendig gestalten – im Gegenteil. Einfach, regional und nährstoffreich darf es sein.

Als Beispiel sei hier die italienische „Cucina Povera“, wörtlich übersetzt als „arme Küche“, erwähnt. Sie hat sich zu einer Art Vorbild für den Slow-Food-Gedanken entwickelt, da sie die Essenz von Einfachheit und Kreativität in der kulinarischen Tradition verkörpert. Inzwischen erfährt sie weltweit Beliebtheit.
Ursprünglich von ländlichen Gemeinschaften entwickelt, steht die Cucina Povera für die Kunst, mit begrenzten Zutaten nahrhafte und schmackhafte Gerichte zu zaubern. Dabei werden lokale und saisonale Produkte verwendet, was nicht nur die Authentizität der Gerichte bewahrt, sondern auch deren Nachhaltigkeit fördert. Für die Slow-Food-Bewegung dient die Cucina Povera vor allem deshalb als Vorbild, weil sie die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Kultur respektiert. Sie zeigt, wie man aus wenigen Zutaten gesunde Gerichte mit Geschmack schaffen kann.1
Apropos Italien…
Um vielleicht die Lust am Kochen überhaupt erst einmal zu wecken, kann es ein schöner Anreiz sein, sich internationale Kochtraditionen anzuschauen und Gerichte mit ungewöhnlichen, aber in Bezug auf die Menge überschaubaren Zutaten auszuprobieren. Italienisch, indisch oder typisch skandinavisch – die Vielfalt ist groß und man lernt neue Produkte, Kombinationen und Arten der Zubereitung kennen.
Ich persönlich liebe die indische Küche, die oftmals eher einfach ist. Sicher, man braucht ein paar Grundzutaten, allem voran Gewürze, aber hat man diese erst einmal vorrätig, kann man ziemlich schnell kreativ werden. Eines meiner schnellen Lieblingsgerichte aus der indischen Küche ist zum Beispiel “Dhal”. Es besteht aus roten Linsen, die sehr gesund sind und dessen Kochzeit nur ungefähr zehn Minuten beträgt. Dazu wird traditionell dünnes Fladenbrot oder Reis gereicht. Hier findest du ein gutes Rezept für Dhal.
Für viele spielt beim Slow Food auch die Wahrung von kulturellem Erbe und Traditionen eine Rolle. Alte Anbaumethoden und Rezepte der Großmutter wieder neu zu entdecken oder sich mit der Nahrung unserer Ahnen zu befassen, kann unglaublich freudvoll sein und dazu motivieren, der Nahrung und ihrer Zubereitung wieder mehr Wert beizumessen.
Geselligkeit vs. Stille
Auch das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten kann ein Anreiz und Motor für mehr Leichtigkeit sein. Sich mit Freunden zum Kochen zu treffen, ist für viele ein Highlight, und in der Regel geht es dann auch weniger um das Ergebnis als um den Weg dorthin. Der Austausch bringt Kurzweil, das Zusammensein tut gut – und am Ende hat man auch noch etwas Leckeres gezaubert.
Ebenso gibt es diejenigen, die das Zubereiten von Mahlzeiten in Stille und Einsamkeit bevorzugen, weil sie auf diese Weise, fast wie bei einer Meditation oder dem Vollziehen eines Rituals, Stress abbauen und den Alltag entschleunigen können.
Tatsächlich gehöre ich zu der zweiten Kategorie: ich koche nicht gerne in Gemeinschaft und ziehe aus dem Verrichten einfacher Tätigkeiten in Schweigen und Achtsamkeit sehr viel Kraft.

Vielleicht habt ihr schon einmal eines dieser Koch-Videos auf YouTube, etc. gesehen, in denen keine Musik im Hintergrund läuft und das Mikro ganz dicht an die zu verarbeitenden Lebensmittel gelegt wird, wodurch zum Beispiel das Schneiden einer Zwiebel viel lauter erscheint als es tatsächlich ist. Somit rückt dieses Geräusch, das normalerweise eher ein Beiprodukt ist, ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
So ähnlich kann man den Wahrnehmungszustand beschreiben, wenn ich in Stille und mit sehr klarem Geist einfache Tätigkeiten verrichte. Dinge (z.B. Geräusche), die im normalen Alltagstrott kaum wahrgenommen werden, bekommen den Raum, bewusst erfahren zu werden.
Kinder mit einbeziehen
Ebenso kann man Kinder in den Akt der Nahrungszubereitung einbinden – und dadurch selbst Entschleunigung erfahren. Die Kinder am Schaffensprozess in der Küche teilhaben zu lassen ist außerdem eine ganz wunderbare Möglichkeit, ihnen eine gewisse Wertschätzung für Lebensmittel, grundlegende Kochfähigkeiten, Selbstvertrauen und vor allem Spaß an der Zubereitung zu vermitteln.

Durch spielerische Elemente wie zum Beispiel bunte Utensilien oder thematische Rezepte (Pizza in Tierform oder Obstspieße mit Regenbogenfarben, etc.) oder das Integrieren eines Geschmackstest (neue Zutaten schmecken und beschreiben) bringst du Leichtigkeit in den Prozess der Zubereitung – und das ganz bestimmt nicht nur für die Kleinen.
Kinder fühlen sich übrigens stärker eingebunden, wenn sie mitentscheiden dürfen:
- Lasse die Kleinen einige Gerichte auswählen oder Zutaten im Supermarkt mit aussuchen.
- Plant gemeinsam ein „Familienmenü“, bei dem jeder seinen Lieblingsgang einbringt.
- Besucht gemeinsam einen Bauernmarkt, um lokale Lebensmittel kennenzulernen – eine wunderbare Möglichkeit für Entschleunigung!
Zeitfenster nutzen
Auch wenn man sich noch so sehr darum bemüht, wird sich achtsames Kochen nicht immer umsetzen lassen. Wie eingangs bereits erwähnt, ist man manchmal einfach zu müde, oder es fehlt schlichtweg die Zeit. Und das ist ja auch ganz normal – das Leben verläuft nicht linear.
Was hier helfen kann ist, Tage zu nutzen, an denen der Raum zum entspannten Kochen gegeben ist, und dann gleich größere Mengen zuzubereiten, von denen man anschließend einen Teil einfriert. Das hat sich in unserer Küche zumindest als ein echter Entschleunigungsfaktor erwiesen: Wenn mal wenig Zeit da ist, hat man immer etwas vorrätig – gesunde und mit Liebe gekochte Fertiggerichte sozusagen. 🙂
Die wichtigste Zutat: Liebe
Apropos Liebe… Überhaupt spielt das Maß an Liebe, Hingabe und Ruhe, die wir bei der Zubereitung an den Tag legen, keine unwichtige Rolle. Ich glaube unbedingt, dass Nahrung, die mit Liebe und in Gelassenheit kreiert wird, sehr viel bekömmlicher ist als solche, die in Eile, Hektik oder ohne jeden persönlichen Bezug (Imbiss, etc.) zubereitet wurde.

Letztendlich ist es immer wieder die innere Einstellung, die entscheidend ist. Es braucht den unbedingten Willen, die Benefits einer entschleunigten Lebensweise zu erfahren und eine bewusste Entscheidung für Achtsamkeit, Langsamkeit, Aufmerksamkeit und Einfachheit – eben für das ganz persönliche Wohlergehen.
Das hat auch mit Wert, Selbstwahrnehmung und einer liebevollen Grundeinstellung zu tun: „Ich bin es mir wert, meinen Speisen die Zutat der Liebe hinzuzufügen“ – das halte ich für einen gut formulierten Grundsatz. Meiner Empfindung nach lohnt es sich unbedingt, sich aufzumachen und herauszufinden, wie wir es schaffen, wirklich und zu hundert Prozent an diese Überzeugung zu glauben und sie zu leben.
Ein Prozess, der Zeit braucht
Das Zubereiten von Mahlzeiten kann also tatsächlich zu einem Akt der Entspannung heranreifen, wenn wir willens sind, zu lernen, wie man diese Alltagstätigkeit entschleunigt. Das ist, wie fast alles, ein Prozess, der ein wenig Zeit und Übung braucht.
Menschen, die schon immer Freude am Kochen hatten, wird es sicherlich leichter fallen als jenen, die Nahrung eher deshalb zubereiten, weil dessen Aufnahme eben zwingend notwendig ist. Wir sind alle verschieden, und wohl niemand von denen, die zuvor nicht mindestens eine Affinität verspürt haben, wird zum Slow-Food-Meisterkoch, nur weil es Teil der Slow-Living-Bewegung ist – und das ist auch vollkommen in Ordnung.
Je mehr man sich insgesamt mit einer entschleunigten Lebensweise und gesunder bzw. nachhaltiger Ernährung beschäftigt, desto mehr bekommt man ohnehin ein Gespür dafür, was “Fast” ist und was “Slow” – und vor allem, was uns als Individuum gut tut.

Wie alle Blogbeiträge dient auch dieser in erster Linie dazu, das Bewusstsein schärfen. – In diesem eben Fall dafür, dass auch das Thema Nahrungszubereitung und -genuss ein Bereich ist, in dem man ein langsameres, achtsameres und somit freudvolleres Leben realisieren kann.
Slow Food berührt die Seele, es hat Seele – im Gegensatz zu Fast Food.
Ich wünsche dir viel Freude bei deiner Slow-Food-Entdeckungsreise! 🙂
- Hier findest du einige schöne Gerichte zur Cucina Povera: https://authentisch-italienisch-kochen.de/sw-cucina-povera/ ↩︎



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